Kachelmann, Kriegsfotografie, Korrektheit

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Diese Welt braucht Journalisten mehr denn je“
(dw-world.de, Sandra Petersmann)
Joel Simon vom „Committee to Protect Journalists“ mag Personen, die Journalismus betreiben, nicht mehr voneinander abgrenzen: „Einfach gesagt sind Journalisten dazu da, Informationen zu sammeln und zu verbreiten, die für die Öffentlichkeit von Bedeutung sind. Es gibt professionelle Journalisten, die das machen, und es gibt Menschen, die das als Bürger machen.“

2. „So haben uns die Griechen reingelegt“
(ruhrbarone.de, Michael Voregger)
Michael Voregger stimmt es nachdenklich, dass die Jury des Herbert-Quandt-Preises sich für „Bild“-Autoren entschieden hat (BILDblog berichtete), das werfe „kein gutes Licht auf den Wirtschaftsjournalismus im Lande“. Er kritisiert auch öffentlich-rechtliche Nachrichtenformate: „Die Redaktionen orientieren sich am Mainstream, regierungsnahe Positionen werden kommentarlos übernommen und kritische Experten tauchen nicht auf. Das Unwort des letzten Jahres ‚alternativlos‘ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.“

3. „In eigener Sache: Neuer Umgang mit Leser-Kommentaren“
(blog.handelsblatt.com/handelsblog, Olaf Storbeck)
Olaf Storbeck ändert den Umgang mit Leser-Kommentaren: „Um ein gewisses Grundniveau der Diskussion zu gewährleisten, werde ich daher tumbe nationalistische und per se Euro-feindliche Kommentare nicht mehr freischalten – zum Beispiel solche, die Nazi-Deutsch enthalten (‚Finanzknechtschaft‘), die Geschichte verdrehen (‚Muss erst wieder ein Krieg gegen Deutschland geführt werden?‘) oder darüber räsonniert wird, ‚wie ein nachgewiesener Maßen intelligentes Volk wie die Deutschen sich derart ausnutzen lassen kann‘. Das gleiche gilt für Verschwörungstheorien jeder Art.“

4. „Früher herrschten die Gewalttäter, heute herrschen die Wohl-Täter“
(heise.de/tp, Eren Güvercin)
Eren Güvercin spricht mit Maternus Millett über politische Korrektheit. „Die politische Korrektheit als das ‚absolut Gute‘ hat das gesellschaftliche Klima bereits so weit polarisiert und vergiftet, dass auch eine kritische Diskussion des ‚absolut Guten‘ – also des Versagens der Bildungs- und Integrationspolitik, der selektiven Toleranz Straftaten von Immigranten gegenüber, der bedingungslosen Sozialleistungen für alle – kaum noch möglich ist. Folglich können alle, die provokante Kritik anmelden, sehr leicht moralische Empörung auslösen und sich als Rebellen gegen das neue, linke, permissive Establishment und als ‚Opfer von Repression‘ darstellen.“

5. „The shot that nearly killed me: War photographers – a special report“
(guardian.co.uk, englisch)
Kriegsfotografen kommentieren die Entstehung einzelner Fotos. Vorsicht, einige Bilder sind sehr drastisch.

6. „Lächerlicher Wahnsinn“
(weltwoche.ch, Roger Köppel)
Jörg Kachelmann gewährt nach dem Gespräch in der „Zeit“ auch der „Weltwoche“ ein sehr ausführliches Interview: „Die heuchlerischen Aufrufe der Medien, dass ich nun doch aus taktischen Gründen demütigst zu schweigen und zu verschwinden hätte, sind der Versuch, deren menschenverachtende Vorverurteilung möglichst schnell vergessen zu machen. Nun wollen gerade die mein Schweigen, die sich vorher als die willfährigsten Sprachrohre der lügenden Staatsanwaltschaft Mannheim geriert haben: Springer, Burda, Stern, Süddeutsche.“ Interviewer Roger Köppel betont, dass für das Interview kein Geld bezahlt wurde.