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Des Wahnsinns fette Beute

Es geht um Macht, Ehre und um schlimme Sex-Vorwürfe. Bei den Rechtswissenschaftlern der Bremer Uni ist heftiger Prof-Zoff ausgebrochen.

Das klingt doch schon mal nach den richtigen Zutaten für eine zünftige „Bild“-Geschichte. Und so berichtete das Blatt am Dienstag in Bremen groß über den „Irren Prof-Zoff an der Bremer Uni“.

Der Professor, der „schlimme Sex-Vorwürfe“ gegen seine Kollegen erhob, saß da bereits seit zwei Wochen in der geschlossenen Psychiatrie des Zentralkrankenhauses Bremen-Ost.

Dort besuchte „Bild“ ihn dann für die Mittwochsausgabe. Oder genauer: Die Zeitung tat so, als hätte sie ihn dort besucht. Der Klinikbetreiber erklärt dagegen, „definitiv“ keine „Bild“-Reporter zu dem Patienten gelassen zu haben.

„Bild“ zeigt den Mann in seinem Krankenzimmer, nennt ihn mit vollem Namen und und lässt ihn über eine „schier unglaubliche Mobbing-Kampagne“ sprechen, die der offensichtlich schwer kranke Jurist gegen sich wittert. Dadurch, dass „Bild“ den Professor ernst nimmt und ihm eine öffentliche Bühne bietet, die er sucht, vor der er selbst aber mutmaßlich geschützt werden sollte, sinken die Chancen, dass der Mann nach einer möglichen Genesung wieder in seinen Arbeitsalltag zurückkehren könnte. Kurzum: Für die geile Story nutzt „Bild“ einen psychisch Kranken aus und geht das Risiko ein, dessen Ruf vollends zu zerstören.

Die „taz“ berichtet heute in ihrer Nord-Ausgabe ausführlich über die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung, die den kranken Professor zusätzlich „demontiert“: