Pöbelei ins Nest gelegt

Nun ist Bild.de weder dafür bekannt, sich einer besonders geschliffenen Sprache zu bedienen, noch dafür, Ruhe zu bewahren, wenn dem Deutschen jemand ans Auto will. Entsprechend wird eine Interview-Aussage des neuen Verkehrsministers von Baden-Württemberg, Winfried Hermann, in der es um die Zukunft großer und teurer Autos geht, kurzerhand in die Sprache der eigenen Klientel übersetzt:

Im großen WELT-Interview stichelt er jetzt gegen Porsche-Fahrer, bekundet seine Vorliebe für’s Fahrrad und setzt der Industrie die Pistole auf die Brust.

„Manche Porsche-, BMW- oder Audi-Fahrer frönen einer libidinösen Form des Autofahrens. Aber das ist die Minderheit, darin liegt nicht zu Zukunft“, so Hermann in der WELT.

Frei übersetzt: Porsche-Fahrer sind Auto-geil. Und Dicke Karossen sind ein Auslaufmodell.

Die Übersetzung des aus dem Kontext gerissenen Zitats ist etwas arg frei und auf Porsche-Fahrer verengt, stellt aber durchaus eine mögliche Interpretation dessen dar, was Hermann meinte. Die Überschrift lässt allerdings keinen Interpretationsspielraum zu:

Winfried Hermann "Auto-geil!": Grüner Minister pöbelt gegen Porsche-Fahrer

Auch wenn es ihm durch die Verwendung von Anführungszeichen unterstellt wird: Hermann hat den Begriff „Auto-geil!“ nie in den Mund genommen. Und „gepöbelt“ hat er auch nicht — diese Art der Kommunikation, die eher zum ruppigen Ton von Bild.de passt, schließt Worte wie „frönen“ und „libidinös“ eher aus.

Mit Dank an die vielen Hinweisgeber.