Zu sexy, um nicht wahr zu sein

Auf sueddeutsche.de gibt es ja heute dieses Interview mit dem Paartherapeuten Ragnar Beer, aus dem wir mal kurz zitieren:

sueddeutsche.de: Eine Tageszeitung titelte kürzlich: „Jede zweite Ehefrau geht fremd“ …

Beer: Woher wissen die das?

sueddeutsche.de: Die berufen sich auf Ihre Theratalk-Studie.

Beer: Dann haben die wohl etwas falsch verstanden.

sueddeutsche.de: Moment, in dem Artikel steht, dass 55 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer schon einmal eine Affäre hatten.

Beer: An unserer Studie nahmen aussschließlich Untreue teil. Davon sind 55 Prozent Frauen, 45 Prozent Männer. Mit dem Anteil der Untreuen in der Gesamtbevölkerung hat das nichts zu tun.

Aus der „Abendzeitung“

„55 Prozent der Frauen, auch verheiratete, gaben an, dass sie in ihrer Partnerschaft einen Seitensprung begangen haben. Männer (49 Prozent) leisten sich demnach zwar etwas weniger oft eine Affäre, sind dafür aber häufiger Wiederholungstäter (…).“

Aber wenn Sie jetzt glauben, Sie wüssten längst, welche „Tageszeitung“ da wohl gemeint war… Irrtum: Es war die Berliner „Bild“-Schwester „B.Z.“. Und sie war nicht einmal allein. Auch der „B.Z.“-Konkurrent „Berliner Kurier“ berichtete: „Jede 2. Ehefrau geht fremd“. Und die „Augsburger Allgemeine“. Und Oe24.at. Und „Men’s Health“. Und alle hatten die falschen und falsch interpretierten Zahlen offensichtlich aus der Münchner „Abendzeitung“ abgeschrieben, die bereits vorgestern über Beers Studie berichtet und sogar (anders als „B.Z.“ und „Kurier“) mit Beer gesprochen zu haben scheint — und dennoch schrieb: „Jede zweite Frau betrügt ihren Partner“ (siehe Kasten).

„Bild“ wäre jedoch nicht „Bild“, wenn man sich so eine Geschichte entgehen ließe und den Unsinn nicht wenigstens online ebenfalls ungeprüft weiterverbreitete:

Männer, ihr müsst jetzt stark sein. Eine Umfrage enthüllt: Jede zweite Frau betrügt ihren Partner! Häufigster Grund: Sex-Frust.

Über diese Studie berichten die Berliner „B.Z.“ und die Münchener „Abendzeitung“: Der Psychotherapeut Dr. Ragnar Beer (Universität Göttingen) ließ für die Treue-Studie „Theratalk“ 5934 Männer und Frauen, viele verheiratet oder in langjährigen Partnerschaften lebend, zu ihrer Treue-Einstellung befragen.

Ergebnis: Die Frauen treiben’s schlimmer als die Männer. 55 Prozent gaben an, schon einmal ihren Partner betrogen zu haben. Das sagte bei den Männern nicht mal jeder Zweite (49 Prozent).

Mit Dank an Carsten K. für den Hinweis.