Allgemein  

Radio Vatikan stellt „Bild“-Vatikanexperten bloß

Der Journalist Andreas Englisch arbeitet seit 1987 als Korrespondent im Vatikan. (…) Auch seit der Wahl des deutschen Papstes Benedikt XVI. gehört er dank seiner exzellenten Verbindungen zu den am besten informierten Journalisten im Vatikanstaat.
(Randomhouse.de über Andreas Englisch)

Englisch ist jedoch nicht nur einer der „am besten informierten Journalisten im Vatikanstaat“, sondern auch „Vatikan-Experte“ der „Bild“-Zeitung. Für „Bild“ schreibt er seit Jahren über den Papst und eine Kolumne, die „Der Papst + ich“, „Die Woche von unserem Papst“ oder auch „Mein Leben mit dem Papst“ heißt.

Und kürzlich behauptete er im Anschluss an die diesjährige Fronleichnamsprozession in Rom, Benedikt XVI. sei dort „erstmals“ im Auto gefahren worden.

Wir hielten das für Unsinn und berichteten.

Englisch für Fortgeschrittene:

„(…) Besonders leid tat mir der Papst, als er vor kurzem am Altar unter der Last der Gewänder stolperte. Und als er während der Fronleichnamsprozession erstmals auf einem Lkw vor der Hostie, dem Allerheiligsten, kniend von der Lateranbasilika zur Marienkirche Santa Maria Maggiore gefahren wurde. Mit den ungeheuer schweren Kleidern, die wieder liturgische Gewänder von Papst Benedikt XV. waren, hätte er kaum zu Fuß der Prozession folgen können. (…)“
(Quelle: „Bild“-München)

Nachdem Englisch jedoch unlängst dasselbe noch einmal in der „Bild“-München behauptet hatte (siehe Kasten), haben wir bei ihm nachgefragt, wie er denn — trotz eindeutiger Beweislage — auf diese abwegige „erstmals“-Behauptung komme. Wir erhielten eine ausführliche und deutliche Antwort:

Wenn Sie sich die Fotos der Corpus Domini Prozessionen der vergangenen Jahre anzusehen, werden Sie merken, dass Sie unrecht haben.

Noch nie wurde ein Papst auf einem Lkw vor einer Hostie kniend von der Lateransbasilika nach Santa Maria Maggiore gebracht. Dass dies jedes Jahr üblich sei, wie Sie behaupten, ist schlicht falsch. Wie Sie aber auch jedem guten Fotoarchiv entnehmen können, gab es eine solche Fahrt bisher nicht. Bisher wurde die Hostie zu Fuß in einer Monstranz vor dem Papst her getragen. Der Vatikan beschloss in diesem Jahr zum ersten Mal, einen Lkw einzusetzen, auf dem der Papst, kniend vor der Hostie, gefahren wurde, weil Benedikt XVI. die ungeheuer schweren liturgischen Gewänder von seinem Vorgänger Papst Benedikt XV. angelegt worden waren. Richtig ist, dass der Papst in den vergangenen Jahren nicht die komplette Strecke zu Fuß ging, sondern für ein Teilstück das Papamobil benutzte, aber wie gesagt noch nie den in diesem Jahr erstmals eingesetzten Lkw und noch nie kniend vor der Hostie. Wie in „Bild“-München völlig korrekt dargestellt, gab es eine solche Überfahrt eines Papstes auf einem Lkw von der Lateransbasilika zur Kirche Santa Maria Maggiore in der Kirchengeschichte bisher nicht.

„Unrecht“, „schlicht falsch“, „bisher nicht“, „noch nie“? Deutlich kürzer, aber nicht weniger deutlich ist die Antwort von Radio Vatikan auf unsere Bitte um ein Statement zu den Ausführungen des „Vatikan-Korrespondenten“ der „Bild“-Zeitung. Der Leiter der deutschsprachigen Radio-Vatikan-Redaktion, Pater Eberhard von Gemmingen, schreibt uns:

Seit Jahren knien die Päpste vor dem Allerheiligsten auf einem Autodeck bei der Prozession vom Lateran nach Maria Maggiore. Herr Englisch liefert leider wiederholt Fehlmeldungen. Das tut mir leid.