Daum hält sich nicht an „Bild“-Wissen

Über Christoph Daum, Trainer des 1. FC Köln, schrieben „Bild“ und Bild.de am Dienstag vergangener Woche überraschend dies:

"Daum -- Rücktritt!"
(…) Er wird zurücktreten. BILD weiß: Seine Entscheidung steht fest, auch wenn er sie (noch) nicht verkünden will.

(…) Spätestens Montag! Dann steht fest: Christoph Daum (54) wird den 1.FC Köln verlassen.

(…) Daum wird die Kölner trotz der Rückkehr in die Bundesliga zum Saisonende vorzeitig verlassen. Auch ein Vertrag bis 2010 kann Daum nicht halten (…). Der Absprung steht aufgrund seiner Ausstiegsklausel unmittelbar bevor.

Seit gestern abend steht wohl fest: Die „Bild“-Behauptungen sind falsch, Daum wird nicht zurücktreten. Oder, um’s mit der aktuellen „Bild“ zu sagen:

"Daum bleibt!"

Allerdings liegt dazwischen eine turbulente Woche.

Unmittelbar nach dem „BILD weiß“-Bericht nämlich erklärte Daum im Kölner „Express“:

An dieser Stelle muss ich alle irren Spekulationen beenden: Selbstverständlich will ich weiter beim FC bleiben. (…) Das ist jetzt keine Pokerei (…).

„Welt Online“ hielt Daums „Pokerei“-Dementi anschließend jedoch selbst für Pokerei und „eine Retourkutsche“ auf die Rücktrittsmeldungen. Und auf die Frage, ob denn möglich sei, „dass der Trainer des 1.FC Köln in der kommenden Saison nicht Christoph Daum heißt“, antwortete Daum im Interview:

Ich kann diese Möglichkeit nicht gänzlich ausschließen.

„Welt Online“ waren an diesem Tag nicht mal die einzigen mit einem Daum-Interview. Und als am selben Tag der „kicker“ fragte, ob denn wohl jemand überrascht sein dürfte, wenn er tatsächlich Trainer bliebe, orakelte Daum:

Einen* gibt es wohl. Denjenigen, der mich hier weghaben will. Der wird überrascht sein.

*) Einen Tag nach dem „kicker“-Interview wollte Daum seine Aussage ausdrücklich „auf einen Medienvertreter“ bezogen wissen.

Die „Bild“-Zeitung indes reagierte mit einer „BILD-Analyse“ zum „Daum-Dilemma“:

Christoph Daum in einem „Express“-Video:

„Dass andere Themen jetzt, bevor die Saison zuende ist, in den Mittelpunkt kommen, dafür kann ich nichts. Das liegt an der Kölner ‚Bild‘-Redaktion, das ist ’ne persönliche Sache.“

„Daum weg“, schrieb BILD nach dem Aufstiegs-Finale gegen Mainz. (…) Der Trainer reagierte sauer und sprach von einer „persönlichen Sache“ mit BILD-Köln [siehe Kasten].

Nun gut! (…) Gestern erklärte Daum in einem RPR1- Radio-Interview: „Es wird Gespräche (mit dem FC) geben, die vom Ergebnis her offen sind.“

Und später: „Es steht nichts fest…“

Daraus könnte man auch einen Rücktritt interpretieren.

Daraus, ähm, könnte man auch ein Zurückrudern interpretieren. Was allerdings das großspurige „BILD weiß“ betrifft, mit dem das Hin und Her begann, gibt es im Nachhinein drei Möglichkeiten:

  • A: „Bild“ hatte sich von irgendwem (oder Daum) irgendwas erzählen lassen und als Tatsache hinausposaunt.
  • B: „Bild“ hatte sich für Daums Pokerei (inkl. Dementis, Beschimpfen-Lassen und Doof-Dastehen) einspannen lassen.
  • C: „Bild“ hatte keine Ahnung und einfach irgendwas behauptet.

Unplausibel ist keine der Versionen. Nur…

…mit Journalismus haben sie alle drei nichts zu tun.