… und nichts als die halbe Wahrheit (2)

Aber zurück zur „Bild“-Zeitung — bzw. zu „Bild“-Reporter Damian Imöhl, der heute noch einmal über den gestrigen Prozess vor dem Dortmunder Amtsgericht berichtet (wir berichteten). Ein Autofahrer (ohne deutschen Führerschein) war wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden. Er hatte einen entgegenkommenden Motorradfahrer beim Linksabbiegen tödlich verletzt. Imöhls inzwischen dritter „Bild“-Bericht ist unfair, verletzt offensichtlich die Persönlichkeitsrechte des Verurteilten und könnte, wie schon gestern, ausländerfeindliche Ressentiments bedienen.

Anders gesagt:

  • „Bild“ nennt den Verurteilten „einen Iraker, der weder einen Führerschein noch einen genehmigten Asylantrag hat. Dafür aber einen dicken BMW, eine Duldung durch die deutschen Behörden und seine Freiheit.“ Denn: „Aus dem Gericht spazierte er als freier Mann“. Und „Bild“-Mann Imöhl lässt sich von einem „Strafrechtsexperten“, der in den vergangenen Jahren wiederholt mit markigen Worten in Imöhl-Artikeln zitiert wurde, erklären, ob der Verurteilte denn „jetzt abgeschoben werden“ könne (was der Strafrechtsexperte Rechtsanwalt Volker Schröder verneint: „So hat der Strafrichter mit dafür gesorgt, dass er hier bleiben darf.“).
  • Darüber hinaus hat sich „Bild“ entschieden, den bislang (wenn auch nur sehr dürftig) unkenntlich gemachten Täter groß und ohne Unkenntlichmachung zu zeigen, und, wie schon gestern, in der Überschrift groß seinen Namen zu nennen.
  • Vor allem aber unterschlägt „Bild“ auch heute wieder, dass das Unfallopfer offenbar mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr*, und behauptet stattdessen, der Motorradfahrer sei „totgerast“ worden. Dabei bestätigt uns ein Sprecher des Amtsgerichts Dortmund (der wie auch wir Verständnis für die Emotionen der Eltern des Toten hat): „Ein zu schnelles Fahren des Angeklagten ist nicht festzustellen gewesen.“ Die vom Richter verhängte Strafe, die der „Strafrechtsexperte“ in „Bild“ als „viel zu milde“ beurteilt, sei „völlig im Rahmen dessen, was in vergleichbaren Fällen üblich ist“. Das Strafmaß entspreche im Übrigen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Das verschweigt „Bild“ — wie übrigens auch die Tatsache, dass der Autofahrer den Motorradfahrer offenbar mit 6 km/h „totgerast“ hat.

Mit Dank auch an Oliver K.

*) Der Gerichtsreporter der „Ruhr-Nachrichten“ widerspricht in seinem Prozessbericht (und auf unsere Nachfrage) dem gestrigen BILDblog-Zitat eines Gerichtssprechers, dass es bei zulässiger Geschwindigkeit möglicherweise keinen Zusammenstoß gegeben hätte, insofern, als es laut Gutachter „auch bei Tempo 50 zu dem Zusammenprall gekommen wäre“.