Natascha Kampuschs Recht auf Privatsphäre

„Botschaft an die Medien: Das einzige, wovor die Presse mich verschonen soll, sind die ewigen Verleumdungen meiner selbst, die Fehlinterpretationen, die Besserwisserei und der mangelnde Respekt mir gegenüber.“
(Natascha Kampusch im August 2006)

Wie schon im letzten Sommer hat die Wiener Gratiszeitung „heute“ nun abermals ihren mangelnden Respekt gegenüber Natascha Kampusch öffentlich gemacht und auf fünf Seiten „bislang unter Verschluss gehaltene Dokumente“ veröffentlicht, die, um’s bei einer Formulierung der Nachrichtenagentur APA zu belassen, „sehr persönliche Details aus der Zeit von Kampuschs Gefangenschaft“ beinhalten.

Nach der Veröffentlichung hat Kampuschs Anwalt rechtliche Schritte gegen „heute“ angekündigt; die Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt wegen „Verletzung des Amtsgeheimnisses“; und Kampusch selbst schreibt in einer Stellungnahme:

Ich bin entsetzt, dass diese vertraulichen Akten in die Öffentlichkeit gelangen konnten.

Der Satz stand gestern auch in „Bild“ — nachdem „Bild“ selbst ausführlichst aus den vertraulichen Akten zitiert und die „Akte Kampusch“ sogar zur Titelschlagzeile gemacht hatte und nachdem „Bild“ sich bereits tags zuvor nicht zu schade war für Fragen wie: „Wurde Natascha als Sex-Sklavin missbraucht?“

Aber auch das war ja schon im Sommer 2007 so — als Kampuschs Anwalt es für notwendig hielt, abermals darauf hinzuweisen, dass „auch Frau Kampusch (…) das Recht auf Privatsphäre“ hat, in der „Medien wirklich nichts verloren“ haben.

Die „Bild am Sonntag“ hat sich heute übrigens für eine Kampusch-Doppelseite entschieden, aber zwischen psychologischen Ferndiagnosen, abwegigen Verdächtigungen, Überschriften wie „Wie freiwillig war der Sex mit ihrem Peiniger?“ und „War Natascha schwanger?“ für Kampuschs Empörung und ihr Recht auf Privatsphäre keinen Platz mehr gefunden.