Gladbacher Spieler boykottieren „Bild“

Wenige Weltereignisse der letzten, sagen wir, 2000 Jahre haben die Redaktion der „Bild“-Zeitung so erregt wie die Tatsache, dass der Mönchengladbacher Stürmer Oliver Neuville am 16. Oktober gegen Kaiserslautern ein Tor mit der Hand erzielte, darüber jubelte und es nach dem Spiel als korrekt bezeichnete. Mit selbst für „Bild“-Verhältnisse ungeahnter Wucht prügelte das Blatt tagelang und teilweise seitenfüllend auf den „Tor-Betrüger“ ein:

Er schlug den Ball wie ein Volleyballer zum 1:0 gegen Lautern (Endstand 2:0) über die Linie. Neuville war so dreist und feierte seinen Betrugs-Treffer mit einem Jubel-Tanz.
Nach dem Spiel log er uns die Hucke voll. Neuville: „Keine Absicht. Ich bin geschubst worden. Ein reguläres Tor.“
Von Neuville gibt‘s keine Entschuldigung, nur noch mehr dummes Geschwätz. Der Tor-Betrüger: „Andere Spieler haben Schwalben gemacht und sind dafür nicht bestraft worden.“ Weiß er eigentlich, daß er als Nationalspieler auch eine Vorbildfunktion hat?

BILD meint: 2 Spiele Sperre sind eine zu milde Strafe für einen uneinsichtigen Tor-Betrüger!

Selbst dem Schwesterblatt „Welt“ wurde das zuviel. Es sprach in einem Kommentar von einem „Aufstand der Heuchler“.

Fans und Mannschaft haben aus der „Bild“-Berichterstattung jetzt Konsequenzen gezogen. „Im Mannschaftsrat haben alle Spieler beschlossen, auf unbestimmte Zeit nicht mehr mit den zwei verantwortlichen ‚Bild‘-Reportern zu sprechen„, bestätigte die Pressestelle.

Das offizielle Fanprojekt der Borussia startete eine Aktion unter dem Motto: „Gemeinsam gegen die Medienhetze“. Am vergangenen Samstag entrollten sie entsprechende Transparente, darunter ein gewaltiges Banner mit der Aufschrift: „Eine Zeitung, die uns verachtet — hat unseren ganzen Hass gepachtet“