Wider die gnadenlose Selbstbeherrschung

Heute lernen wir mal wieder Grundsätzliches über „Bild“.

Dabei trifft das, was „Bild“-Kolumnist Peter Heinlein da aufgeschrieben hat, zunächst durchaus den Kern der Sache. Unter der Überschrift „Prinz Harry im Krieg — wer hat das verraten?“ schildert Heinlein, dass der „notorische amerikanische Drudge Report“ über den Einsatz des britischen Prinzen Harry als Soldat in Afghanistan berichtet und damit eine vor drei Monaten zwischen „Buckingham Palace, britischer Regierung und den nationalen Medien“ vereinbarte Nachrichtensperre unterlaufen habe. „Wütend“, so Heinlein, hätten die britischen Medien [und, wie wir wissen, im Anschluss auch „Bild“] daraufhin „die Schleusen“ geöffnet und all das berichtet, was eigentlich erst nach Harrys sicherer Rückkehr im April hätte veröffentlicht werden sollen. So kann man das sehen.

Doch dann schreibt Heinlein einen Satz, wie man ihn wohl nur in „Bild“ finden kann:

Das ist ein Schlag für die als unbändig frei angesehene britische Presse, bei dieser Presseverhinderungsabsprache und gnadenlosen Selbstzensur erwischt worden zu sein.

„Presseverhinderungsabsprache“? „gnadenlose Selbstzensur“? „erwischt“? Gegenüber Prinz Harry war die vereinbarte Sperrfrist das Gegenteil von gnadenlos. Denn es besteht kein Zweifel, dass sie vor allem einen Grund hatte: das Leben von Prinz Harry und der anderen Soldaten in seiner Einheit zu schützen. Man könnte es verantwortungsvoll nennen.