Schönes bleibt

Viele Menschen bemängeln, dass wir in einer Welt leben, in der sich viel zu viel viel zu schnell ändert. Die jugendliche Rockkappelle Silbermond forderte in ihrem Hit „Irgendwas bleibt“ gar „ein kleines bisschen Sicherheit“ in dieser „schnellen Zeit”.

Wie schön ist es da, wenn man lesen darf, dass sich manche Dinge offenbar nie ändern. Die amourösen Verstrickungen von Biathleten etwa.

Am 21. Januar 2001 schrieb Raimund Witkop in der „Welt am Sonntag“:

Manchmal liegt das Glück nur eine Skistocklänge entfernt. Zum Beispiel im Training am Schießstand, wenn zwei mit pochendem Herzen daliegen und vielleicht noch anderes ins Visier nehmen als die runden Scheiben vor sich. Oder im Hotel, das in den kuschelig-entlegenen Tälern des Biathlon-Sports meist eines für alle ist – alle Nationen, und beide Geschlechter.

Fast zehn Jahre später, am 9. Januar 2011 wusste sein Kollege Robert Dunker im gleichen Blatt und der „Berliner Morgenpost am Sonntag“ zu berichten:

Manchmal liegt das Glück nur eine Skistocklänge entfernt. Zum Beispiel beim Training am Schießstand, wenn zwei mit pochendem Herzen daliegen und vielleicht noch anderes ins Visier nehmen als die runden Scheiben vor sich. Oder im Hotel, das in den verträumt-entlegenen Tälern des Biathlon-Sports wie in Antholz oder Hochfilzen meist eines für alle ist. Oder in der weniger romantischen, aber geselligen Kaserne von Oberhof, wo während des Weltcups an diesem Wochenende fast alle deutschen Skijäger und Skijägerinnen ihre Schlafstätte beziehen, im selben Trakt, versteht sich.

Gut, das mag jetzt Zufall sein mit den ersten beiden Sätzen. Und es scheint unbestreitbares Fakt zu sein, dass es im Biathlon besonders viele Pärchen gibt.

Zumindest legen das die Zitate zweier verschiedener Sportlerinnen nahe:

2001:

„Es gibt so viele Möglichkeiten, sich näher zu kommen“, sagt Liv Grete Skjelbreid-Poiree, 27. Sie muss es – wie ihr langer Name dem Kenner verrät – wissen.

2011:

„Es gibt beim Biathlon so viele Möglichkeiten, sich näher zu kommen“, sagt Nathalie Santer-Björndalen, 38. Ihr langer Name verrät, dass sie es wissen muss. Die ehemalige Weltklassebiathletin und erfolgreiche Gastronomin aus dem Südtiroler Dorf Toblach ist seit 2006 mit Biathlon-Ikone Ole-Einar Björndalen verheiratet.

Auch andere Zitatgeberinnen scheinen das Klischee zu bestätigen, dass Sportler eh immer das Gleiche sagen:

2001:

„Raphael ist zwar kein Psychologe“, sagt Frau Skjelbreid-Poiree, „aber in Sachen Motivation hat er mir in dieser Zeit sehr geholfen.“

2011:

„Michi ist kein Psychologe“, sagt Hitzer über den Ex, den sie als Juniorin anhimmelte, „aber während meiner Verletzungen hat er mir sehr geholfen.“

Die folgende Passage stand 2001 ziemlich zu Anfang des Artikels:

Wie es so zugeht bei den polyglott turtelnden Skijägern, darüber reden Eingeweihte ohne Details, aber mit Genuss. „Hier laufen viele hübsche Mädchen ‚rum“, sagt Herbert Fritzenwenger, Leiter des Stützpunkts im idyllischen Ruhpolding, „und die Kerle sind auch nicht zu verachten.“

2011 kommt sie, milde überarbeitet, erst in der zweiten Hälfte:

Wie es so zugeht bei den turtelnden Skijägern, darüber reden Eingeweihte ohne Details, aber mit Genuss. „Hier laufen viele hübsche Mädchen rum“, weiß Kommentator und Ex-Biathlet Herbert Fritzenwenger, „und die Kerle sind auch nicht zu verachten“.

Und auch wenn Doppelnamen im Biathlon offenbar ähnlich verbreitet sind wie in der FDP, kann man ja noch mal auf Liv Grete Skjelbreid-Poiree zu sprechen kommen, die Urmutter der Bindestrich-Athletinnen:

2001:

Allerdings: Vieles, was dort als Techtelmechtel beginnt, führt in den Hafen der Ehe. „Wir waren schon drei Jahre gute Freunde“ erzählt Liv Grete Skjelbreid, die ihren vierten Namens-Teil im vergangenen Sommer bei der Biathlon-Traumhochzeit mit Raphael Poiree in Oslo erwarb.

2011:

Gemeinsam gemeisterte Krisen festigen manche Beziehungen, und dann führt gelegentlich das, was als Techtelmechtel begonnen hat, in den Hafen der Ehe und zu Familienzuwachs. (…) Ex-Star Liv Grete Skjelbreid, 36, erwarb ihren vierten Namens-Teil vor zehn Jahren bei der Biathlon-Traumhochzeit mit dem gleichaltrigen Raphael Poiree in Oslo. „Wir waren vorher drei Jahre gute Freunde“, erzählt sie. Das Ehepaar Poiree hat inzwischen drei Töchter.

Mit Dank an Markus L. (nicht Lotter)