Bravo  

Rache ist ein Kinderspiel (2)

Erinnern Sie sich an die Tipps, die die „Bravo“ im vergangenen Sommer ihren pubertierenden Lesern gegeben hat, wie sie sich an ihren Ex-Freundinnen oder Freunden rächen können? In der bunten „Hot-List“ fanden sich Punkte wie:

  • Du stellst eine geöffnete Flasche Cola auf seinen Schreibtisch — in die Du vorher Abführmittel gekippt hast.
  • Du läufst gegen einen Pfosten und erzählst nachher, die blauen Flecken stammten von ihr!

Mit den meisten vorgestellten Formen der Rache hätte man sich strafbar gemacht (BILDblog berichtete).

Der Bauer-Verlag, in dem die „Bravo“ erscheint, meint, dass die Zeitschrift die Rache-Ideen gar nicht empfiehlt, sondern im Gegenteil vor ihnen warnt. Es handele sich nämlich um Satire, teilte die Staabsstelle Medienrecht dem Presserat mit, der ihre Stellungnahme so zusammenfasst:

Bekanntermaßen geschehe bei Satire die Sichtbarmachung von Missständen (z.B. „Mein Partner trennt sich von mir“) durch Stilmittel, die eine Verfremdung zur Folge hätten, da der Text von dem normalerweise zu erwartenden abweiche. Folglich setze die Satire als Stilmittel unter anderem die Verdrehungen ein: Gefährliches werde als harmlos dargestellt.

Vor diesem Hintergrund mache die „Hot-List“ deutlich, dass jemand, der von seinem Partner verlassen wird, eben gerade bestimmte Rachepläne nicht umsetzen sollte.

Der Beschwerdeausschuss des Presserates war nicht ganz überzeugt:

Mit einigen der Tipps [wie zum Beispiel den beiden oben zitierten] wird die Grenze zwischen einem noch zulässigen Streich hin zu einem Straftatbestand überschritten. Eine auch für die Leserinnen und Leser klar erkennbare satirische Diktion sah der Ausschuss nicht. Die Redaktion ist hier eindeutig zu weit gegangen. Insbesondere im Hinblick auf die jugendliche Leserschaft von BRAVO ist es ethisch nicht akzeptabel, wenn solche Empfehlungen gegeben werden.

Der Presserat urteilte (schon im vergangenen Herbst), „Bravo“ habe gegen die Ziffer 11 des Pressekodex (Jugendschutz) verstoßen, und gab der Redaktion einen entsprechenden „Hinweis“.

Mit Dank an Stefan W.!