Da sollte man nicht locker lassen!


Bastian Pastewka, 35, ist Komiker, Schauspieler und Autor. Nach eigener Aussage ist er zudem „seit circa 12einhalb Jahren und wenigen Wochen aus dem Deutschen Fernsehen nicht mehr wegzudenken (‘Wochenshow’, ‘Ohne Worte’, ‘Pastewka in…’) und das weiß er auch. Er gewann mehrere TV-Preise (‘Goldene Kamera’, ‘Deutscher Fernsehpreis’ und zweimal die ‘Rose d’Or’), vor allem für seine aktuelle Serie ‘Pastewka’ (Sat.1). Er wurde einem breiten Publikum im Grunde nie bekannt, da seine Erfolgssitcom ‘Pastewka’ derzeit unter einer seltsamen Quotenschwäche leidet, die ihn zu rätselhaften Artikeln über deutlich erfolgreichere Sendungen ermuntert. Er liebt das Deutsche Fernsehen heiß und innig. Und er würde alles tun, um jemanden kennen zu lernen der bei Soaps heult, bei ‘Geile Zeit’ lacht oder Pastewkas Dauerironie entschlüsseln kann.
Morgen übrigens ist es bei Bedarf möglich, den Autor dieses Artikels zusammen mit der grandiosen Anke Engelke bei einer gemeinsamen Weihnachtsshow-Persiflage in verschiedenen Rollen zu erleben, was mit Eigenwerbung echt nichts zu tun hat, schwöre, aber ich spiele da Tine Wittler, und das hat ja einen Bezug zu dem Thema nebenan. Übrigens: Wer kapiert die Regeln von der Koffershow mit Guido Cantz? Hallo? …..Halllooooooooooo?“

Von Bastian Pastewka

Sehe nur ich die bedrohlichen Signale neuer Allianzen in dieser eiskalten Vorweihnachtszeit? Dass die „Bild“ und der „Spiegel“ sich weitaus näher gekommen sind, als mein Vater das gutheißen würde, ist ja bekannt; aber was veranstaltet die „BamS“ vom vergangenen Sonntag denn nun für einen Kuschelkurs mit den Stars (das „Stars“ würdet Ihr jetzt durchstreichen und durch irgendwas Bissiges ersetzen, aber ich weiß nicht wie das technisch geht!) von RTL?

Und ist es nur ein Zufall, dass dies genau in der Woche geschieht, in der die Axel Springer AG den Ausstieg aus der ProSiebenSat.1 Media AG vollziehen wird? Wie sonst ist zu erklären, dass sich gleich ganze drei Artikel Deutschlands kommerziell erfolgreichstem Privatsender widmen.

Es folgt eine knallharte Analyse, die Sie so nicht erwartet hätten:


Wir erfahren, dass Tine Wittler gerne mit Freunden raucht und eine Kneipe namens „Parallelwelt“ zu einem Vereinsheim umfunktioniert hat. Hallo, Parallelwelt! Bin ich der Einzige, der hier einen Hinweis auf die RTL-Show „Einsatz in 4 Wänden“ erkennt? (Und bin ich der Einzige, der das Foto der Expertin als Montage entlarvt? Ist die Hand mit der Zigarre bei näherer Betrachtung nicht doch eher Paris Hilton letztes Wochenende im „Felix“? Da sollte man nicht locker lassen!)


Schock Nummer 2: Rauchen ist trotz Tine Wittler doch gefährlich, wie TV-Star Christian Berkel beim Dreh zu dem Fernsehfilm „Mogadischu“ laut „BamS“ hautnah erleben musste. Jetzt kommts: Berkel „ging in seiner neuesten Rolle als Bundeskanzler Helmut Schmidt sogar bis ans Eingemachte und rauchte 80 Zigaretten pro Tag!“. Entschuldigung, bin ich der Einzige, der hier über den Begriff neueste stolperte? Jawohl, Christian Berkel schlüpfte schon einmal in die Rolle des Altkanzlers, und zwar in dem auch von „Bild“ ausführlich goutierten TV-Drama „Die Sturmflut“. Und nun raten sie mal, auf welchem Sender diese zu sehen war?! Na, erkennen Sie es auch…?


Inka Bause verlängert ihren Vertrag bei RTL (da! daaaaaa!), und Bauern sind ja doch nicht so blöd, wie die „BamS“ gleich enthüllen wird, um dies jedoch auf Bauernpräsident Sonnleitner zu schieben, um sich nicht die Blöße zu geben.

Und das nervt jetzt wirklich: Eine für seine Belanglosigkeit typische Reality-Doku, die mit ein paar Steinzeit-Klischees aufgemöbelt wurde, weil’s sonst nicht als Sendung taugt, wird nicht nur von unglaublichen acht Millionen Fans (durchstreichen und durch „Bauern“ ersetzen) pro Woche verfolgt, nein, die Sendung erlebt abwechselnd Ablehnung und dann wieder Zuspruch durch „Bild“/“BamS“, so als hätte es die jeweiligen Vorgängerartikel nie gegeben. Und dabei ist der Adressat der Artikel im Grunde nie der Zuschauer, den man für sein Interesse an der Sendung belohnt/informiert/kritisiert; nein, es sind letztlich die gepeinigten Bauern selbst, die sich hier noch mal unwissentlich zum Affen machen dürfen. Die in dem Glauben gelassen werden, sie würden Humor beweisen, wenn ihre Aussagen in der „BamS“ in Sprechblasen verkürzt oder in ihrer RTL-Sendung mit dem Baby-Elephant-Walk unterlegt werden.

Denn so sind unsere anständigen Landwirte nun mal, sie treiben es auf dem Hochsitz auch nach 12 Stunden Trecker-Fahren, und sie lachen mit bis zu zwei Frauen (nein, nicht durchstreichen und durch „Ziegen“ ersetzen!) im Bett, während der Knackpo unterm Schottenrock anschwillt! Haha!

Und das hat gesessen: Mit diesen „pikanten Sex-Geständnissen schlagen die Bauern jetzt zurück“; denn „BamS“-Autorin Nicole Pohl will uns glauben machen, dass „Sensibelchen Maik“, der „Standfeste Andreas“ und der „Fröhliche Furthi“ nicht etwa „als einsame Trottel“ sondern als Helden in die Geschichte eingehen werden, wenn sie nach einer weiteren Staffel von „Bauer sucht Frau“ am Männlichkeitswahn eingegangen oder auch nur beim Sich-Schämen vom Hochsitz gefallen sind. Liebe BamsBumsBauern! Lasst Euch doch nicht alles gefallen!

Lustig und Doof ist manchmal nicht das Gleiche!
 
BILDblogger für einen Tag ist morgen Martin Sonneborn.