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Auf zu den Sternen

Der Weg vom namentlich weitgehend unbekannten Nebendarsteller zum „TV-Star“ ist ein schwerer — es sei denn, man steht unter Vergewaltigungsverdacht, stirbt frühzeitig oder soll seine Mutter getötet haben. Dann ist man zumindest im Paralleluniversum von „Bild“ und Bild.de kurzzeitig ein Star.

In einem ganz anderen Universum wurde Bill Erwin posthum zum Star: Die Deutsche Presseagentur (dpa) ernannte den im Alter von 96 Jahren verstorbenen Amerikaner in der Überschrift seiner Todesmeldung zum „‚Enterprise‘-Star“ und begründet das wie folgt:

Der US-Schauspieler Bill Erwin, deutschen Fernsehzuschauern vor allem als Dr. Dalen Quaice in „Raumschiff Enterprise“ bekannt, ist tot. Er starb bereits am Mittwoch vergangener Woche im Alter von 96 Jahren in Studio City bei Los Angeles, berichtete die „Los Angeles Times“ am Dienstag. Auch in den „Golden Girls“, „Eine schrecklich nette Familie“, „ER“ und anderen Serien war er zu sehen.

Ohne Bill Erwin zu nahe treten zu wollen: „Bekannt“ war er wohl selbst den treuesten „Star Trek“-Fans nicht. Als Dr. Dalen Quaice, Mentor von Dr. Beverly Crusher, trat er in exakt einer Folge von „Star Trek: The Next Generation“ („Raumschiff Enterprise — Das nächste Jahrhundert“) auf.

Die „Los Angeles Times“ schrieb dann auch lieber, dass der „Charakterdarsteller“ Bill Erwin aus anderen Gründen in Erinnerung bleiben werde:

Trotz [seiner zahlreichen Auftritte] ist Erwin insbesondere für seine Arbeit bei „Seinfeld“ bekannt. Der Schauspieler erhielt 1993 eine Emmy-Nominierung für seine Rolle in der Sitcom als Sid Fields, auch bekannt als der „kauzige alte Mann“.

(Übersetzung von uns.)

Die BBC nennt den Verstorbenen deshalb minimal begründeter einen „‚Seinfeld‘-Star“. Da die Serie hierzulande aber nur am Rand zum popkulturellen Erbe gehört, geht Bill Erwin nun für viele dpa-Kunden wie bunte.de („Mit der Serie ‘Raumschiff Enterprise‘ wurde Bill Erwin für viele Fans zum Helden.“), t-online.de und die „Münsterländische Volkszeitung“ als „‚Star Trek‘-Star“ in die Geschichtsbücher ein.

Mit Dank an Michael M.