„Bild“ riskiert dicke Lippe

Das ist natürlich eine ganz billige Masche, mit der das britische Boulevardblatt „Sun“ gestern ganz fies deutsche Soldaten verhöhnte. Sie würden Spiele spielen, während „unsere Jungs kämpfen“ und seien „Kuchenesser“, schrieb das Blatt. Als Foto-Beweis hatte die „Sun“ deutsche Soldaten in Afghanistan beim Tischfußball gezeigt.

Der „Sun“-Artikel
Primär geht es der „Sun“ darum, dass sich deutsche Truppen nur im „sicheren Norden“ Afghanistans aufhalten würden und die deutsche Regierung alles tue, um Verluste zu vermeiden. So dürften deutsche Soldaten ihre Basis nach Einbruch der Dunkelheit nicht verlassen und sich nicht weiter als zwei Stunden von einem Militär-Krankenhaus entfernen. Der „Sun“ liege ein „geheimes Memorandum“ deutscher Kommandeure vor, das Offiziere auffordere, nicht über Operationen zu sprechen, um die Diskussion um die „Kuchen-essenden Deutschen im Norden“ nicht anzuheizen.

Aber was die „Sun“ kann, kann die „Bild“-Zeitung natürlich schon lange (nur nicht so gut, wie wir gleich sehen werden) und revanchiert sich heute, indem sie sich über die gestrige „Sun“-Berichterstattung empört und ein Foto britischer Soldaten zeigt, die auch nicht kämpfen, sondern spielen.

Dumm ist allerdings, dass „Bild“* der „Sun“ damit gleich Anlass zu neuerlichem Hohn gibt:

"Als wenn die Briten immer nur kämpften! Auch sie spielen in ihrer Freizeit -- z. B. Rugby, wie man sehen kann. Das Foto wurde im März 2007 in Camp Bastion, Süd-Afghanistan, aufgenommen."

Rugby ist ja dieses Feldspiel, das so ähnlich funktioniert wie American Football, aber ganz ohne Helm gespielt wird. Demnach kann das auf dem Foto-Beweis von „Bild“ schon deswegen gar kein Rugby sein, weil die Soldaten sehr wohl Helme tragen:

"Kämpfen mit dem Brettspiel?"

Mit Dank an Chris H. für den sachdienlichen Hinweis.

*) Bei Bild.de hat man offenbar bemerkt, dass auf dem Foto kein Rugby gespielt wird und den Halbsatz „wie man sehen kann“ inzwischen gestrichen.