Redakteure, Dokumentationen, Wikileaks

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Rigide redigierende Redakteure“
(journalist.de, Timo Rieg)
Timo Rieg kümmert sich in einem weitgehend unredigierten Text um den redigierenden Redakteur, dem „ein hierarchieärmeres Berufsverständnis“ gut stehen würde: „Redakteure erziehen ihre Autoren, nicht so zu schreiben, wie sie selbst schrieben, wenn sie könnten, wollten, müssten – sondern sie suchen Autoren, die eigene Themen, Sichtweisen und Darstellungen ins Blatt bringen.“

2. „Das Erste im Talkshow-Wahn“
(stern.de, Bernd Gäbler)
Ab Herbst 2011 bietet ARD fünf Talkshows an – dafür keine Dokumentationen mehr vor 22 Uhr. „Tatsächlich ist es so, dass das Erste wie die Dritten Programme die Prime Time inzwischen mit Populärem durchformatieren. Nun wäre das alles verständlich, würden die Dokumentationen so aussehen wie die ARD-Verantwortlichen es suggerieren: absurde, elitäre Selbstverwirklichung zu bulgarischen Kauderwelschthemen. Jedoch haben die Dokumentationen gerade im Fernsehen außerordentliche Relevanz und auch Resonanz.“

3. „Peinlich: OZ kopiert beim SZ-Magazin“
(blog.17vier.de)
Das Fleischervorstadt-Blog vergleicht Textbausteine eines Artikels der „Ostsee-Zeitung“ vom 29. November mit dem „SZ-Magazin“ vom 16. September.

4. „Now leaking: The one and only Ich“
(print-wuergt.de, Michalis Pantelouris)
Michalis Pantelouris fragt, ob wir mit drei sich extrem voneinander unterscheidenden Wahrheiten leben wollen: „Bisher leben wir selbstverständlich damit, dass es irgendwo ‚eine Wahrheit‘ gibt, die wir nie erfahren (in den Dokumenten, hinter den Kulissen), eine ‚öffentliche Wahrheit‘, nämlich das, was offen gesagt wird, das, was in der Zeitung steht – und unsere private Wahrheit, mit der wir leben und arbeiten.“

5. „The moral standards of WikiLeaks critics“
(salon.com, Glenn Greenwald, englisch)
Glenn Greenwald glaubt, dass es bisher keine Anhaltspunkte gibt, dass Wikileaks-Veröffentlichungen tatsächlich Personen geschadet haben. Dagegen hätten US-Journalisten die opferreichen Kriege der USA immer wieder verteidigt. Die Kommentare gegen Julian Assange seien überzogen: „The ringleaders of this hate ritual are advocates of — and in some cases directly responsible for — the world’s deadliest and most lawless actions of the last decade.“

6. „Der Überfall“
(zeit.de, Susanne Leinemann)
Die 41-jährige Susanne Leinemann wird in Berlin-Wilmersdorf von Jugendlichen überfallen und bewusstlos geschlagen: „Ich kenne diese drei Typen nicht, ich habe keine Geschichte mit ihnen, keinen Konflikt gehabt, nichts. Alles, was uns verbindet, ist die Tatsache, dass sie mich fast umgebracht haben.“