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Frau zu Guttenberg, die verfolgte Unschuld

Eine Stiftung, die die Verwendung von Spendengeldern bei karitativen Einrichtungen überprüft, rügt eine Kinderschutzorganisation, weil sie sich weigert, ihre Finanzen offenzulegen. Preisfrage: Wen von beiden macht „Bild“ daraufhin zum „Verlierer“ des Tages?

Richtig: die Stiftung. Denn die Kinderschutzorganisation heißt „Innocence in Danger“, und ihre Präsidentin ist Stephanie zu Guttenberg, für die die „Bild“-Zeitung seit einiger Zeit in großem Stil Propaganda macht.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das unter anderem vom Berliner Senat, dem Familienministerium und dem Industrie- und Handelskammertag getragen wird, vergibt seit fast zwanzig Jahren ein „Spenden-Siegel“. Gegen eine jährliche Gebühr von, je nach Spendenaufkommen, 500 bis 10.000 Euro überprüft das DZI, ob eine Organisation seine Leitlinien (pdf) einhält. Es geht vor allem darum, ob Spenden zweckgerichtet und sparsam verwendet werden. Das Siegel soll als Orientierungshilfe dienen, um seriöse Spendenorganisationen zu erkennen.

Am Samstag berichteten die Schwesterblätter „Frankfurter Rundschau“ und „Berliner Zeitung“, über „fragwürdige Methoden“ des Vereins „Innocence in Danger“, der durch die Möchtegern-Kinderschänder-Fang-Show „Tatort Internet“ von RTL 2 bekannt wurde. Der Verein weigere sich, Auskunft über elementare Fragen zu geben wie darüber, wie viel Spenden er einnimmt und wofür die Mittel verwendet werden. In einem Interview kritisierte dies DZI-Leiter Burkhard Wilke:

Eine gemeinnützige Organisation, die so in der Öffentlichkeit steht wie „Innocence in Danger“ und erkennbar um finanzielle öffentliche Unterstützung bittet, sollte der Öffentlichkeit auch aussagekräftige Finanzberichte zur Verfügung stellen. Das kann man von solchen Organisationen verlangen. Es geht dabei um eine Basistransparenz. (…) Ich kann Spendern generell keine Organisation empfehlen, bei denen der Appell an Spender und die Bitte um Mittel nicht einhergehen mit der Bereitschaft, Finanzzahlen zu veröffentlichen.

Offenbar weiß Wilke nicht, dass Transparenz unnötig ist, wenn Stephanie zu Guttenberg etwas mit der Sache zu tun hat. Die „Bild“-Zeitung erklärt es ihm heute auf ihrer Titelseite:

Verlierer: Burkhard Wilke (46) vom "Zentralinstitut für soziale Fragen" (DZI) vergibt das "Spendensiegel" für Hilfsorganisationen, kassiert dafür bis zu 10 000 Euro je Siegel. Jetzt geht Wilke auf Stephanie zu Guttenbergs Verein "Innocence in Danger" los, weil der Spendengeld lieber in Hilfe investiert als in ein Siegel. BILD meint: Schlechter Stil!

Der Angriff auf das seriöse Spenden-Siegel wird „Bild“ ein doppeltes Bedürfnis gewesen sein. Es gibt nämlich neben „Innocence in Danger“ noch eine andere Organisation, die immer wieder groß in den Medien ist, sich aber weigert, offenzulegen, wofür sie die Spenden verwendet, und dafür vom DZI kritisiert wird. Sie heißt „Ein Herz für Kinder“.

Mit Dank an Tobias P. und Fritz!