Fritzl, Eichel, Street View

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „‚Bild‘-Interview mit Josef F.: ‚Faszination des Bösen'“
(diepresse.com, Anna-Maria Wallner)
Ein „Bild“-Reporter führt in der Justizanstalt Stein ein Interview mit Josef Fritzl und dreht dazu ein Video. Wie das Wiener Justizministerium mitteilt, habe die zuständige Vollzugsdirektion für das in der Verhörzone entstandene Gespräch kein Gesuch erhalten und auch keine Bewilligung erteilt.

2. „Hans Eichel, der Oberschurke“
(sueddeutsche.de, Claus Hulverscheidt)
Anders als „Bild“ glaubt Claus Hulverscheidt nicht, dass der frühere Finanzminister Hans Eichel Hauptverantwortlicher für die Folgen des griechischen Euro-Beitritts ist.

3. „Wie der ‚Bundesverband der im Haushalt helfenden Männer‘ die faule Presse narrte!“
(wasmitmedien.de, daniel)
Ein Gespräch mit Dirk Emig (auch als Audio), der vor rund zehn Jahren zusammen mit einem Kollegen die Website bdhm.de.vu aufsetzte und damit dem nicht existierenden „Bundesverband der im Haushalt helfenden Männer“ Nachdruck verlieh. Die beiden wollten damit beweisen, „dass man mit einer skurrilen Geschichte, angereichert mit dem Konflikt Mann-Frau, ein bisschen Sex dazu, ein paar krude Thesen, wirklich einen Selbstläufer produzieren kann.“

4. „Manege frei!“
(journalist.de, Ralf Geißler)
Ralf Geißler schreibt über die immer aufgeregter daherkommenden „Medienskandale“: „Mit einigen Jahren Abstand staunt das Publikum oft, warum es sich einst so aufgeregt hat. Trotz BSE essen die Deutschen heute wieder unbesorgt Rindfleisch. Sie tanken seit der An-Land-Entsorgung der Ölplattform Brent Spar wieder bei Shell und fahren durch den Wald, der nach den apokalyptischen Szenarien der 80er Jahre längst verschwunden sein müsste. Weiß eigentlich noch jemand, wie ansteckend die Lungenseuche SARS ist?“

5. „Die Handschrift des Reporters“
(magda.de, Wolfgang Michal)
Wolfgang Michal kommentiert ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Die GEO-Redaktion habe bei der Redigatur eines Text des freien Journalisten Christian Jungblut „ihr Bearbeitungsrecht überschritten“. „So manche Redaktion hat sich in den letzten Jahren angewöhnt, Texte freier Autoren als bloßes ‚Materialangebot‘ zu betrachten, als ‚Rohmasse‘, die ohne Rücksicht auf Stil und individuelle Herangehensweise eines Autors verformt werden darf. Diese Fehlentwicklung wird im Urteil des Landgerichts deutlich benannt und kritisiert.“ Siehe dazu auch „Gericht erklärt ‚Geo‘: Autoren haben Rechte“ (stefan-niggemeier.de).

6. „Germany, what have you done?“
(buzzmachine.com, Jeff Jarvis, englisch)
Jeff Jarvis zum Datenschutzwahnsinn der Deutschen in Sachen Google Street View: „This is not a matter of privacy. And don’t tell me it has a damned thing to do with the Nazis and Stasi; that’s patently absurd. If anything, the Stasi would have exercised their Verpixelungsrecht to obscure their buildings from public view, taking advantage of the cloak of secrecy the idea provides.“