Wer sich versteckt, will gesehen werden

Wenn Politiker die Öffentlichkeit genau darüber informieren, wo sie ihren Sommerurlaub verbringen werden, dann könnte man das natürlich als indirekte Einladung an die Leser-Reporter von „Bild“ oder Profi-Fotografen verstehen, sie am Urlaubsort zu besuchen und hübsche Fotos aus dem Privatleben in die Presse zu tragen.

Und wenn Politiker die Öffentlichkeit ausdrücklich nicht darüber informieren? Dann auch.

Jedenfalls in der Logik von Hugo Müller-Vogg, der heute in seiner „Bild“-Kolumne u.a. über Politiker schreibt, die ihren Sommerurlaub „als Versteckspiel inszenieren“:

Von morgen an heißt es für Angela Merkel: Sommer, Sonne, Urlaub. Und den beginnt die Musik-Kennerin zusammen mit ihrem Mann, Professor Joachim Sauer, wie immer in Bayreuth. (…) Während ihre Vorgänger Helmut Kohl und Gerhard Schröder gerne sagten, wo und wie sie sich erholen, macht die Kanzlerin ein Staatsgeheimnis daraus. Es scheint Angela Merkel und ihrem ohnehin pressescheuen Mann sogar Spaß zu bereiten, die Leser-Reporter von BILD und die Promi-Fotografen der Magazine zu besonderen Anstrengungen zu verleiten. Ganz nach dem Motto: Mal sehen, wer uns zuerst entdeckt.
(Hervorhebung von uns.)

Man kann das wie einen Aufruf „Fotografiert Angela Merkel im Urlaub!“ lesen — und sogar als Ermunterung, sich nicht davon abschrecken zu lassen, wenn Frau Merkel und Herr Sauer deutliche Signale aussenden, dass sie gerade nicht fotografiert werden wollen. Denn damit wollen sie ja bestimmt nur die Paparazzi zu „besonderen Anstrengungen“ anspornen. Quasi um den Spaß für alle zu erhöhen.

PS: Im April 2006 hatte „Bild“ noch einen Regierungssprecher mit den Worten zitiert: „Auch die Bundeskanzlerin und ihr Mann haben ein Recht auf Privatsphäre!“ Aber damals war es ja auch die britische Boulevardzeitung „The Sun“ gewesen, die Pool-Fotos von Merkel veröffentlicht hatte. Als „Bild“ im April 2007 selbst Pool-Fotos von Merkel veröffentlichte, war von einer Privatsphäre der Bundeskanzlerin und ihres Mannes keine Rede mehr. Uns sagte ein Regierungssprecher dazu, die Fotos in „Bild“ seien „ohne ihr Einverständnis“ gemacht und veröffentlich worden — und Merkels Urlaubsreisen „eigentlich eine private Angelegenheit“. Wie schon im Vorjahr ließ die Bundesregierung dennoch, wie angekündigt, „die Sache auf sich beruhen“.

Danke an Toni L.!