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„Bild“ hat sich stets bemüht…

Anfang Januar berichtete „Bild“ über einen Künstler, der offenbar seine Mutter erschlagen hatte und illustrierte die Geschichte mit einem Foto des Mannes (siehe Ausriss). Das Foto war von dem freien Fotografen Gabriel Holom im Auftrag der Lokalzeitung „Gäubote“ gemacht worden und dort zuvor auch erschienen, allerdings in einem gänzlich anderen Zusammenhang. Da weder der Fotograf, noch der „Gäubote“ in die Veröffentlichung des Fotos in der „Bild“-Zeitung eingewilligt hatten, reichte der „Gäubote“ Beschwerde beim Presserat wegen Verstoß gegen Ziffer 4 Pressekodex (unlautere Recherchemethoden) ein (wir berichteten).

Der Presserat entschied in der Sitzung vom 6. Juni, dass die Beschwerde unbegründet sei, weil es sich „primär um eine urheberrechtliche und nicht um eine presseethische Frage“ handele. Der Geltungsbereich der Ziffer 4 ziele jedoch „in erster Linie auf Vorgehensweisen wie eine verdeckte Recherche oder den Umgang mit schutzbedürftigen Personen bei der Beschaffung von Informationen“ ab.

Der Presserat hat auch eine Stellungnahme von Axel Springer eingeholt. Die spielte für die Ablehnung der Beschwerde zwar keine Rolle, sie ist aber trotzdem interessant. Der Presserat gibt sie wie folgt wieder:

Das Bild sei von einem freien „Bild“-Fotografen auf der Internetseite des „Gäuboten“ entdeckt worden. (…) Die Stuttgarter „Bild“-Redaktion habe daraufhin versucht, telefonisch in der Redaktion des „Gäuboten“ eine Veröffentlichungsgenehmigung zu erhalten. Dies sei jedoch daran gescheitert, dass der Beschwerdeführer jedes Mal in einer Besprechung gewesen sei und keine Gespräche habe annehmen können. Bis in den Abend hinein seien die Bemühungen der Redaktion, entweder den Beschwerdeführer oder den Fotografen Holom zu erreichen, erfolglos geblieben. Tage später habe sich dann herausgestellt, dass der Fotograf zu diesem Zeitpunkt in Urlaub gewesen sei. Die Redaktionsleitung habe sich dann entschieden, das Bild zu veröffentlichen, selbstverständlich aber die nachträgliche Zustimmung des Fotografen einzuholen. Dies sei einige Tage später gelungen. Man habe sich dabei darauf geeinigt, dass er eine Rechnung für die Nutzung des veröffentlichten Fotos schreibe. Er habe dann ausdrücklich erklärt, dass für ihn mit Bezahlung der Forderung die Sache erledigt sei.
(Hervorhebung von uns)

Der Fotograf beschreibt das „gelungene“ Einholen der Zustimmung so: Er habe sich schriftlich an „Bild“ gewandt und ein Honorar für die Veröffentlichung seines Fotos gefordert. Und tatsächlich habe er erklärt, dass die Sache für ihn mit Begleichung der Forderung erledigt sei, „weil das eben so ist, dass das Foto schon veröffentlicht war“, wie er uns sagt. Hätte „Bild“ ihn jedoch vor Veröffentlichung gefragt, hätte er Rücksprache mit dem „Gäuboten“ gehalten. Und Holom war zwar im Urlaub, er sei jedoch per Handy erreichbar gewesen.

Was die „Bemühungen“ von „Bild“ angeht, vom „Gäuboten“ eine Veröffentlichungsgenehmigung zu erhalten: In der kleinen „Gäubote“-Redaktion kann sich keiner der Verantwortlichen an einen Anruf eines „Bild“-Mitarbeiters erinnern. Und man würde sich erinnern, wie man uns versichert, zumal es schon vor diesem Vorfall eine Absprache gegeben habe, keine Fotos an die „Bild“-Zeitung herauszugeben.