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Heiße-Luft-Alarm in der „Bild“-Zeitung

„Bild“ ruft heute „Tornado-Alarm über Deutschland“ aus. „Immer häufiger, immer heftiger: Das neue Wetter-Phänomen Wirbelsturm“, heißt es in der Unterzeile zu einer „Bild“-Geschichte über einen Tornado, der vergangenen Samstag in Frankfurt/Main schwere Schäden angerichtet hat.

Ohne allzusehr ins Detail zu gehen: Ob in Deutschland tatsächlich „immer häufiger“ Tornados auftreten und diese „immer heftiger“ werden, wie „Bild“ schreibt, ist mindestens umstritten. Zwar rechnen viele Klimaforscher mit einer Zunahme extremer Wetterphänomene. Aber belastbare Daten, die belegen, dass die Zahl der Tornados in den letzten Jahren zugenommen hätte, gibt es derzeit offenbar nicht.

Und wenn „Bild“ schreibt, den „bisher schwersten Tornado“ hätte es im März 2006 in Hamburg gegeben, so ist das nachweislich falsch. Es handelte sich dabei um einen Tornado der Kategorie F2 auf der Fujita-Skala, mit Windgeschwindigkeiten von maximal 252 km/h. Das klingt zwar viel, ist im Vergleich zu dem Tornado, der im Jahr 1968 Pforzheim heimsuchte jedoch eher wenig. Der erreichte Windgeschwindigkeiten von 400 km/h (Kategorie F4) und aus den Jahren 1764 und 1800 sind sogar zwei Wirbelstürme dokumentiert, die aufgrund von Schadensberichten als F5-Tornados eingeschätzt werden. Womit klar sein dürfte, dass Wirbelstürme, anders als „Bild“ behauptet, kein „neues Wetter-Phänomen“ sind.

Kommen wir zu dem tollen großen Foto, mit dem die „Bild“-Geschichte, die ja auch das „BILD-Leser-Reporter“-Logo trägt, illustriert ist:

"Tornado-Alarm über Deutschland -- Immer häufiger, immer heftiger: Das neue Wetter-Phänomen Wirbelsturm"

Wahnsinn! Oder? In einem kleinen Text rechts auf der Seite heißt es:

Eine bedrohliche Unwetterfront schiebt sich über Hessen, gewaltige Luftwirbel reichen bis zur Erde. Fotografiert hat’s Leser-Reporter Andreas M.* (20)
*) Abkürzung von uns

Damit keine Verwirrung entsteht: der zitierte Text, der rechts neben der mächtigen Windhose und unter diesem kleinen unspektakulären Foto steht, bezieht sich nur auf das kleine unspektakuläre Bild, auf dem weit und breit kein Tornado zu erkennen ist. Das große Windhosen-Foto unter den Worten „Tornado-Alarm über Deutschland“ hingegen zeigt nicht den Frankfurter Tornado vom Wochenende. Es wurde in Elie in Manitoba, Kanada aufgenommen, wie man uns bei der Nachrichtenagentur AP sagt, von der das Foto stammt.

P.S.: Manche Klimaforscher gehen übrigens davon aus, dass die Zunahme von Tornado-Meldungen in den letzten Jahren darauf zurückzuführen ist, dass die Öffentlichkeit „sensibler für das Thema“ würde, wie die „FAZ“ im September letzten Jahres Thomas Sävert (der übrigens auch schon einschlägige Erfahrungen mit „Bild“ gemacht hat) zitierte. Außerdem schrieb die „FAZ“: „Internet und Fotohandys tragen ihren Teil bei“ (sic).

Mit Dank an Jan K. und Frank A. für den sachdienlichen Hinweis.