Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Ende April, also vor sechs Wochen, hatte „Bild“ bekannt gegeben, dass der Afrika-Aktivist Bob Geldof kurz vorm anstehenden G8-Gipfel „für 1 Tag BILD-Chefredakteur“ werden würde. Der Ankündigung folgte eine sechsteilige „Bild“-Serie „Sir Bob Geldof exklusiv in BILD“ und am vergangenen Freitag schließlich Geldofs „Afrika-BILD“.

„Pop trifft Politik“

Geldof erinnerte Merkel laut „Bild“ unter anderem an die Zusage, „die Entwicklungshilfe bis 2010 auf 0,51 Prozent der Wirtschaftskraft der G8-Staaten anzuheben“, Merkel erwiderte, die deutsche Entwicklungshilfe werde „2008 um etwa 750 Millione Euro aufgestockt“, Geldof fand das zu wenig, Merkel erwiderte, man werde gemachte Zusagen erfüllen.

„Bild“ hatte Bob Geldof gelobt, Bob Geldof hatte sich bei „Bild“ bedankt — und Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen dürfen (O-Ton Geldof: „Angela Merkel ist eine Vermittlerin, wie sie im Buche steht. (…) Diese Frau hat echt was im Kopf. Zu meiner Überraschung ist Angela Merkel aber auch eine sehr warmherzige Persönlichkeit. Mit ihrem Intellekt habe ich gerechnet, aber nicht mit dieser Wärme und Offenheit“). Geldofs Interview mit Merkel (siehe Kasten) war einer der Höhepunkte seiner „Afrika-BILD“.

Tags drauf durfte Bob Geldof noch einmal sagen, wie gut ihm seine „Afrika-BILD“ gefallen hat und dass sein Tag als „BILD-Chefredakteur“ einer der besten Tage seines Lebens gewesen sei.

Danach wurde es in „Bild“ stiller um Geldof:

  • eine kurze Meldung aus London: „Bob Geldof (55) und Naomi Campbell (37) unterstützen die Krebs-Stiftung“
  • eine kurze Meldung aus Rostock: „Pop-Stars wie Herbert Grönemeyer, U2-Sänger Bono, Bob Geldof und die ‚Die Toten Hosen‘ haben gestern bei einem Konzert in Rostock vor 70000 Zuhörern ihre ‚Stimmen gegen Armut‘ erhoben.“
  • und am vergangenen Donnerstag unter der Überschrift „G8-News: Bauern wollen Geld für zertrampelte Felder“ dies:

    (…) Kanzlerin Merkel traf gestern auch mit Bono und Bob Geldof zusammen (Foto) – die Popstars forderten sie zu einer Umsetzung der Versprechen gegenüber Afrika auf. Abends wollte Geldof, der erst vor wenigen Tagen eine BILD-Afrika-Ausgabe gestaltet hatte, auch mit US-Präsident Bush sprechen. (…)

Anderen Medienberichten zufolge gibt diese kurze Zusammenfassung vielleicht nicht so ganz den Kern des Treffens zwischen Bono, Geldof und Merkel wieder. Und dass Geldof den G8-Gipfel gestern abschließend als „Farce“ bezeichnet hatte, weil sich Merkel „zwar bei einem Treffen ihre Vorschläge für eine größere Afrikahilfe angehört, aber leider alle zurückgewiesen“ habe und das G8-Abschlussdokument zu Afrika [pdf] „ein zynischer Text“ sei, in dem lediglich alte Versprechungen wiederholt würden, findet sich heute in der kläglichen „Bild“-Formulierung („Bob Geldof und Bono kritisierten die Beschlüsse.“) wieder. Es gibt schließlich, nun ja, Wichtigeres.

Und außerdem hatte „Bild“ diese leidige Afrika-Sache doch bereits gestern schon auf gewohnte Weise abgehakt: