Agenturmeldung vergurkt

Bei „Spiegel Online“ werden Meldungen von Nachrichtenagenturen in aller Regel nicht veröffentlicht, ohne von einem Redakteur noch einmal bearbeitet worden zu sein. Das ist nicht immer eine gute Idee.

Am Wochenende berichtete „Spiegel Online“:

Mit eintägiger Verzögerung ist eine Sojus-Kapsel mit drei Astronauten der Internationalen Raumstation ISS sicher in der kasachischen Steppe gelandet. (…) Die drei Astronauten sind wohlauf. Zur Begrüßung gab es eine Gurke.

Das mit der Gurke fand der Redakteur so interessant, dass er auch die Überschrift daraus machte:

Sojus-Kapsel von der ISS: Verspätet gelandet, mit Gurke begrüßt

Verwirrenderweise heißt es aber am Ende seines Artikels dann:

„Wir sind sanft und zart auf der Erde aufgekommen“, sagte Kosmonaut Alexander Skworzow, der am Samstag als erstes aus der Kapsel stieg. Wie in Russland traditionell üblich, reichten ihm Helfer als erstes Nahrungsmittel einen Apfel. Skworzow biss breit grinsend hinein, merkte dann aber an, dass er nächstes Mal lieber eine Gurke hätte. „Wir müssen die Tradition ändern“, sagte er. „Ich hatte seit einem halben Jahr keine Gurke mehr!“

Hm. Hätte es dann nicht in der Überschrift heißen müssen: „Verspätet gelandet, ohne Gurke begrüßt“? Welche von den beiden Versionen stimmt denn nun?

Die überraschende Antwort lautet: keine. Jedenfalls heißt es in der AFP-Meldung, auf der der „Spiegel Online“-Bericht beruht, dass die Kosmonauten zwar mit dem klassischen Apfel begrüßt worden seien. Nicht Skworzow, sondern sein Kollege Kornjenko habe dann aber gesagt: „Wir müssen die Tradition ändern. Ich hatte seit einem halben Jahr keine Gurke mehr!“

Ein Tag später veröffentlichte AFP dann noch eine aktualisierte und um ein Happy-End ergänzte Fassung:

Prompt wurde ihm sein Wunsch erfüllt: Der Weltraumfahrer bekam seine Gurke.

So gesehen stimmt natürlich jetzt die „Spiegel Online“-Überschrift wieder. Auf eine Art.

Mit Dank an Andreas M.!