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Man wird ja mal fragen dürfen


Das macht Hoffnung – allerdings mehr als angemessen. Schaut man sich nämlich die Geschichte über den gleichen Sachverhalt in dem wissenschaftlichen Fachmagazin „New Scientist“ an, ist von einer „Sensation im Kampf gegen Aids!“, wie „Bild“ auf der Titelseite schreibt, nicht viel zu spüren. Ja, eigentlich geht es dort um etwas ganz anderes, nämlich um wissenschaftliche Forschungs- und Untersuchungsstandards:

His work has caused huge controversy in Nigeria, causing wrangles between Abalaka and the Nigerian ministry of health. (übersetzt etwa: Seine Arbeit hat eine gewaltige Kontroverse in Nigeria ausgelöst und entfachte einen Streit zwischen Abalaka und dem nigerianischen Gesundheitsministerium)

Recht gute und zutreffend übersetzte Zusammenfassungen der „New Scientist“-Meldung finden sich übrigens hier, hier oder hier. Dort lässt sich auch dies nachlesen:

Aber Saladin Osmanov, der Koordinator der gemeinsamen HIV-Impfstoff-Initiative von WHO und UNAIDS, warnt davor, dass Abalakas Impfstoff nicht nach den strengen Protokollen evaluiert wurde und seine Arbeit nicht von unabhängigen Experten überprüft wurde.

Das – und nicht etwa die Gefahr, dass Boulevard-Medien den Bericht als „Sensation“ präsentieren könnten – ist im Übrigen auch der Grund dafür, dass Kollegen des verantwortlichen Redakteurs Ray Spier beim Fachmagazin „Vaccine“, in dem Abalakas Bericht erschien, sich gegen dessen Veröffentlichung ausgesprochen hatten. Darauf und auf die Diskussionswürdigkeit von Abalakas Untersuchung, sowie auf die unzulängliche Datengrundlage weist Spier in einem Leitartikel in „Vaccine“ übrigens auch hin. „Bild“ leider nicht.

Warum eigentlich nicht?

P.S.: Nur der Vollständigkeit halber soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass Abalaka keineswegs „Aids-Spezialist“ ist, wie „Bild“ behauptet, sondern „general surgeon with training in immunology“, was eher so etwas wie „Chirurg mit Erfahrung in Immunologie“ bedeutet.