Päpstlicher als der Papst

Die „Bild“-Zeitung war stolz. Am Freitag meldete sie „exklusiv“ unter der Überschrift: „Papst geißelt Feminismus“: „Papst Johannes Paul II. sagt dem weltweiten Feminismus den Kampf an!“

Diesmal war es wirklich eine Exklusiv-Meldung, eine weltweite sogar. Es lag aber nicht an den göttlichen Beziehungen der „Bild“-Reporter. „Bild“ hatte nach Angaben der Katholischen Nachrichtenagentur KNA einfach als „einzige ausländische Zeitung in Rom“ entgegen der journalistischen Gepflogenheiten „die Sperrfrist für die Berichterstattung über den Text gebrochen“.

Die „Bild“-Meldung war aber auch in anderer Hinsicht „exklusiv“: Ihr Zitat, der Vatikan werfe dem Feminismus vor, „die biologischen Unterschiede zwischen Mann und Frau abzuschaffen“ kommt im Text nicht vor. Der deutsche Radio-Vatikan-Chef Pater Eberhard von Gemmingen sagte, die Darstellung von „Bild“ sei „völlig falsch“. Es gehe nicht um den Feminismus, sondern ausdrücklich um einen „gewissen Feminismus“, der Papst fordere u.a. die gesellschaftliche Aufwertung der Frau. „Ich glaube“, sagte von Gemmingen, „dass es das Gescheiteste wäre, gegen den ‘Spiegel’ und gegen die ‘Bild-Zeitung’ eine Einstweilige Verfügung zu beantragen!“ Gegen den „Spiegel“ auch? Aber ja. „Spiegel Online“ hat die Meldung, wie üblich, erst einmal aus der „Bild“-Zeitung übernommen. Differenzierter wurde die Berichterstattung erst viel später.

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