Nichtschwimmer

"Steuer-Irrsinn: So schwimmt der Staat im Geld!"Es ist schon etwas unlogisch, dass „Bild“ zur heutigen Titelgeschichte auf Seite 2 die Überschrift gewählt hat „So schwimmt der Staat im Geld“ (siehe Ausriss). Andererseits stellt „Bild“ im Text nämlich fest, dass Bund, Länder und Gemeinden „auf Schulden von insgesamt 1500 Mrd. Euro“ sitzen und dass die Bundesregierung „für ihren Teil allein“ im Jahr 2006 „38 Mrd. Euro Zinsen zahlen“ musste, „Tendenz steigend“. Aber Schwamm drüber.

Kümmern wir uns um die Spalte, die überschrieben ist: „Diese Länder machen es uns vor“. Dort heißt es einleitend:

Nur Nachbarland Belgien (55,4 %) verlangt mehr Steuern und Abgaben von seinen Bürgern als Deutschland (52,5 %).

Das ist so nicht ganz korrekt. Zwar stimmen die Zahlen, die „Bild“ von der OECD hat (und die natürlich nur OECD-Staaten berücksichtigen), aber sie gelten nicht etwa für den Durchschnittsbürger, sondern nur für kinderlose Singles mit dem Einkommen eines durchschnittlichen Arbeiters.* Und davon abgesehen liegt die Staatsverschuldung Großbritanniens, anders als „Bild“ schreibt, natürlich nicht bei 46 Milliarden Euro. Das wäre wirklich beeindruckend. Tatsächlich hat Großbritannien aber Schulden in Höhe von rund 572 Milliarden Pfund (ca. 840 Milliarden Euro).

*) Vergleicht man zum Beispiel verheiratete Paare mit zwei Kindern und nur einem Einkommen, so verlangen laut OECD (pdf) neben Belgien (40,1 %) noch Österreich (36,9 %), die Niederlande (37 %), Finnland (38 %), Ungarn (39,8 %), Griechenland (41,5 %), Schweden (41,8 %), Frankreich (42 %), Polen (42,2 %) und die Türkei (42,8 %) „mehr Steuern und Abgaben“ von ihren „Bürgern“ als Deutschland (36,2 %).

Mit Dank an Udo G. und Markus K. für den sachdienlichen Hinweis.