Mond für Hurra-Patriotismus missbraucht

Wenn irgendein Ding ganz ohne Besatzung durch die Gegend juckelt, kennen wir Deutsche dafür ein vielleicht nicht ganz politisch korrektes, aber unmissverständliches Wort.

„Bild“ kennt dieses Wort offenbar nicht.

Denn in ihrer schier grenzenlosen Begeisterung darüber, dass der Mond (in Anspielung an die legendäre „Bild“-Schlagzeile von 1969: „Der Mond ist jetzt ein Ami“) bald ein Deutscher sei, weil (Hurra!) wir Deutsche bald auf den Mond flögen, vergisst „Bild“ komplett, ihren Lesern eine nicht ganz unwesentliche Tatsache mitzuteilen. Sowohl auf der Titelseite als auch im dazugehörigen Artikel: kein Wort davon, dass die Mondmission im Jahr 2012/2013, bei der „Deutschland vorangehen“ will, unbemannt sein wird und nicht mal auf dem Mond landet.

Stattdessen in „Bild“: ein einziger Halbsatz über den „spektakulären Plan“ („Die Mondsonde soll vier Jahre lang den Mond umkreisen“). Doch weil das offenbar selbst „Bild“ nicht spektakulär genug erschien, wird die Geschichte großzügig mit Grafiken einer längst bekannten, späteren, europäischen (!) Mondlandemission illustriert. Und dass diese zweite Mission ebenfalls unbemannt vonstatten geht, hüllt „Bild“ in tapsige Passivkonstruktionen („Dabei könnte ein Radioteleskop aufgestellt werden“).

Zum Schluss zeigt die „Bild“-Zeitung dann noch mal eindrücklich, wie sehr sie eigentlich hinterm Mond lebt — und schreibt:

Nur zwölf Menschen haben den Mond je betreten, alles US-Astronauten der Apollo-Missionen. Der nächste ist wahrscheinlich ein Deutscher.

Doch was „Bild“ für „wahrscheinlich“ hält, ist in Wirklichkeit mehr als unwahrscheinlich: Für eine bemannte Mondlande-Mission gibt es weder in Deutschland noch in Europa einen festen Termin. (Erst kürzlich hieß es z.B. in der „Kölnischen Rundschau“, eine bemannte Mission zum Mond habe „derzeit keine Priorität“.) Es kursiert dennoch die Jahreszahl 2024 — und selbst das wäre nach derzeitigem Wissensstand neun Jahre nach Russland, vier Jahre nach Malaysia und (was wohl am wahrscheinlichsten ist) immerhin rund vier bis sechs Jahre nach den USA.

So ist dann auch die ganze Wir-Deutsche-aufm-Mond-Geschichte für „Bild“-Verhältnisse ausgesprochen konsequent: Dort glaubt man schließlich von sich selber ebenfalls, stets „früher“ dran zu sein — und hinkt dann mit ’ner Titelstory doch nur wieder um Wochen hinterher.

Mit Dank an Dominik B. für den Hinweis.