Kein Wunder, dass „Bild“ wirkt

Nachdem „Bild“ gestern „im Namen der Kinder“ zehn Forderungen „für eine bessere Familienpolitik“ aufgestellt hatte, findet sich heute diese Überschrift auf der Seite zwei:

"Im Namen der Kinder: Politiker unterstützen BILD-Forderungen"

Im Text heißt es noch einmal:

Jetzt gibt es prominente Unterstützung aus der Politik!

Diese „Unterstützung“ besteht aus den Ex-Familienministerinnen Renate Schmidt und Christine Bergmann sowie dem NRW-Familienminister Armin Laschet. Schmidt und Bergmann fänden „familienfreundliche Arbeitszeiten nötig“, heißt es, und Schmidt plädiere auch „für das von BILD vorgeschlagene Familienwahlrecht“ („Ich bin für ein Wahlrecht von Geburt an“). Außerdem unterstütze Laschet „ausdrücklich die BILD-Forderung nach einem Familiensplitting“. Und all das ist gar nicht mal falsch. Aber komplett irreführend.

Denn Schmidt, Bergmann und Laschet unterstützten die „Bild“-Forderungen schon lange bevor „Bild“ sie gestern aufstellte und völlig unabhängig von „Bild“. So steht das Familiensplitting, das der CDU-Politiker Laschet „ausdrücklich“ unterstützt beispielsweise schon seit 1994 im CDU-Grundsatzprogramm [pdf]. Christine Bergmanns Forderungen nach familienfreundlichen Arbeitszeiten stammen noch aus ihrer Amtszeit als Familienministerin (1998-2002). Und Renate Schmidt kündigte beispielsweise im November 2002 an, sich für familienfreundliche Arbeitszeiten einzusetzen. Im Jahr 2003 brachte sie außerdem, zusammen mit 46 weiteren Abgeordneten, einen Antrag auf „Wahlrecht von Geburt an“ in den Bundestag ein (der allerdings abgelehnt wurde). Seit Januar dieses Jahres bereitet sie einen neuen Antrag auf Kinderwahlrecht vor.

Insofern hätte die gestrige „Bild“-Überschrift also nicht nur so aussehen können:

"Im Namen der Kinder: 10 BILD-Forderungen für eine bessere Familienpolitik"

Sondern ebensogut auch so:

"Im Namen der Kinder: BILD unterstützt Politiker-Forderungen"