Löschdebatte

Seit am 20. April die Bohrinsel „Deepwater Horizon“ explodierte und zwei Tage später unterging, sprudelt nicht nur das Öl — auch die Mutmaßungen über Ursachen und Verantwortlichkeit wollen nicht versiegen. Es ist ein Schwarzer-Peter-Spiel für Fortgeschrittene — keiner will’s gewesen sein und alle Parteien versuchen den jeweiligen Widersacher verantwortlich zu machen, immerhin handelt es sich um die größte Umweltkatastrophe der Vereinigten Staaten.

Seit zwei Tagen ist dieses Spielchen nun in einer neuen Runde (mehr dazu bei Mediamatters) — und glaubt man der Berichterstattung auf Bild.de, dann hat eine „neue Enthüllung zur Öl-Pest im Golf von Mexiko“ ergeben, dass die „explodierte Plattform (…) möglicherweise durch Löschwasser versenkt“ wurde.

Weiter schreibt Bild.de über das Löschen mit Salzwasser:

Offenbar ein folgenschwerer Fehler! Denn durch die enorme Last des Löschwassers geriet die brennende Plattform zunehmend aus dem Gleichgewicht, kippte zur Seite – und versank zwei Tage später im Meer.

Nun hat das US-amerikanische „Center for Public Integrity„, eine Nichtregierungsorganisation für kritischen Journalismus, tatsächlich vor zwei Tagen einen recht ausführlichen Bericht über den Einfluss der Löschschiffe veröffentlicht, der in der Tat den Verdacht erweckt, ohne das Löschwasser wäre die Plattform nicht gesunken — zumindest dann, wenn man den Beitrag nicht ganz bis zum Ende liest.

Dort stellen die Autoren des „Center for Public Integrity“ nämlich einen Dozenten der Universität Texas vor, der im Grunde alle Vermutungen, Mutmaßungen und all das Geraune zuvor ganz grundsätzlich in Frage stellt:

„Ich glaube nicht, dass irgendjemand geglaubt hat, das Feuer sei mit Schaum oder Wasser zu löschen,“ sagt jener Paul Bommer da, „das Feuer war zu groß und zu heiß.“

(Übersetzung von uns.)

Was genau an diesem 20. April geschah — das wissen also selbst die Experten nicht so recht und stochern mehr oder minder im Dunkeln, erwägen, mutmaßen und raten. Für die Redaktion von Bild.de aber, für die der Beitrag des „Center for Public Integrity“ zu lang und zu kompliziert war, sieht die Sache recht eindeutig aus — und so können die Leser von Bild.de jetzt annehmen, dass all das Öl im Golf von Mexiko letztlich der Unfähigkeit der Löschschiffe anzulasten sei. Und der Schwarze Peter? Macht weiter munter die Runde.

Mit Dank an den Hinweisgeber.