Primärquellen, Sonntagszeitung, Griechenland

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Journalisten und Primärquellen – Managergehälter“
(marcmichels.blogspot.com, Marc Michels)
„Nutzt endlich mal die verdammten Primärquellen!“, ruft Marc Michels Journalisten, Bürgern und Politikern entgegen. Während ein Bericht der „Thüringer Allgemeinen Zeitung“ über Managergehälter auf den „Focus“ verweist, schreibt „Bild“: „Eine neue Umfrage macht deutlich…“. Dabei seien die betreffenden Informationen schlicht frei im Internet verfügbar.

2. „Kachelmann-Verfahren: Schweizer Zeitung wirft Befangenheit auf“
(morgenweb.de, M. Wirth, A. Lin, J. Gruler)
In ihrer neusten Ausgabe äußert die „Sonntagszeitung“ „Zweifel an der Unabhängigkeit des Richters“ im Fall Jörg Kachelmann. Einige Regionalblätter vermeldeten darauf, „Vater und Richter seien im gleichen Verein und würden sich gut kennen“, was „zahlreiche seriöse deutsche Tageszeitungen und sogar die berühmten Nachrichtenmagazine Spiegel und Stern“ sofort aufnahmen. Der betreffende Richter, Michael Seidling, dementiert und gibt an, weder die Klägerin noch ihren Vater überhaupt zu kennen.

3. „Im Würgegriff der Parteien“
(echo-online.de, Klaus Thomas Heck)
Klaus Thomas Heck sieht die öffentlich-rechtlichen Sender von den Parteien stark beeinflusst. Die Folge: Es ergießen sich „auf beiden Seiten telegene Gesichter in inhaltsarmen Worthülsen, um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Man kennt sich, ist einander viel zu nah und hat sich vor der Kamera nichts zu sagen. Ergebnis ist meist journalistisch wie politisch der kleinste gemeinsame Nenner.“

4. „Mehr Mut zur Zensur“
(nzz.ch, Rainer Stadler)
Rainer Stadler fürchtet, dass „unterhalb der offiziellen Medienangebote“, also in den Kommentarspalten, „bizarre Parallelgesellschaften“ entstehen. „Wer interessante Publikumsmeinungen finden will, muss darum oft durch kniehohen Wortmüll stapfen.“ Er empfiehlt, kommerzielle Wege zu prüfen: „Wenn eine Website als Blitzableiter für Enttäuschte oder als Auffangbecken für Unterbeschäftigte dient, sollte man doch daraus eine Geschäftsidee entwickeln können.“

5. „Griechenland: Tödlicher Terror gegen Journalisten“
(focus.de, Wassilis Aswestopoulos)
Journalist Sokrates Giolias wird „im Athener Vorort Ilioupolis“ von mehreren Attentätern vor seinem Haus erschossen. „Giolias war wie viele andere Journalisten auf Webseiten autonomer, extremistischer Gruppen als zu eliminierender Klassenfeind erwähnt worden.“

6. „Why Journalists Make Mistakes & What We Can Do About Them“
(poynter.org, Mallary Jean Tenore, englisch)
„Misspelled names and typos are among the more basic errors journalists make. But there’s another type of error that is harder to correct: when journalists miss the story completely.“