Verlierer des Tages (Wiedervorlage)

Man könnte meinen, eine Korrekturspalte sei dazu da, Fehler zu korrigieren. Außer bei „Bild“ natürlich. Denn bei „Bild“ ist die Korrekturspalte auch dazu da, Fehler zu wiederholen.

Vor zwei Wochen hatte „Bild“ Jürgen Rüttgers (CDU) zum „Gewinner“ des Tages gemacht, weil er in einer von der SPD bezahlten Umfrage von der Mehrheit der Nordrhein-Westfalen als beliebtester SPD-Politiker genannt worden sei.

Tatsache aber ist: Rüttgers war in einer nicht von der SPD bezahlten Umfrage von einer Minderheit der Nordrhein-Westfalen am dritthäufigsten als SPD-Politiker genannt worden.*

Zwei Wochen später ist es „Bild“ nun gelungen, eine „Berichtigung“ zum Thema abzudrucken:

Unter der Rubrik "Gewinner" hatte BILD am 7. Dezember 2006 berichtet, dass die SPD die Forsa-Umfrage nach dem beliebstesten SPD-Politiker, aus derer nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) als Sieger hervorging, bezahlt hat. Dies hat sich als unzutreffend erwiesen. Die SPD hat diese Forsa-Umfrage nicht bezahlt.
Man mag sich nicht vorstellen, welches juristische Hin und Her hinter den Kulissen der Formulierung „hat sich als unzutreffend erwiesen“ vorangegangen ist, damit nun endlich, zwei Wochen später, auch in „Bild“ steht, was sich doch eigentlich bereits am Tag der Veröffentlichung als unzutreffend erwiesen hatte. Die SPD jedenfalls möchte sich dazu nicht mehr äußern.

Und dass die heutige „Berichtigung“ den dritt(!)bekanntesten(!) „SPD-Politiker“ weiterhin fälschlicherweise als Beliebtheits(!)sieger(!) dastehen lässt, korrigiert „Bild“ garantiert morgen nach Weihnachten im nächsten Jahr nie.

*) Ein Teil der „Bild“-Fehler stammte aus der „FAZ“. Zufälligerweise fand sich dort an Tag vor dem heutigen „Bild“-„Berichtigung“ folgende „Richtigstellung“:

„Am 5. Dezember hat diese Zeitung (…) über eine Meinungsumfrage aus dem vergangenen Sommer berichtet, die den Bekanntheitsgrad nordrhein-westfälischer SPD-Politiker untersucht. Dabei war behauptet worden, die SPD selbst habe die Umfrage in Auftrag gegeben. Dies hat sich als unzutreffend erwiesen. (F.A.Z.)“

FAZ.net hat den Hinweis auf die SPD als vermeintlichen Auftraggeber der Umfrage ersatz- und kommentarlos gestrichen.