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Der „Bild“-Hauer

Eine der häufig kolportierten Meinungen über die „Bild“-Zeitung lautet, sie sei zwar gefüllt mit schlecht recherchiertem und schlecht geschriebenem Unsinn, aber unterhaltsam – und ohnehin würde das Springer-Blatt niemand ernst nehmen. Dass der Unfug, der in „Bild“ steht, selbst in Fällen mäßiger Relevanz allerdings Konsequenzen hat, das zeigt der weiterhin aktuelle Streit um eine Plastik des am Bodensee lebenden Bildhauers Peter Lenk (BILDblog berichtete).

Denn die Posse geht weiter. Und dafür, dass es auch tatsächlich eine Posse ist, dafür sorgen „Bild“, einige Lokalpolitiker sowie der Aufsichtsrat der Touristik Information GmbH in Konstanz mit viel Verve.

Bereits am 12. Mai, keine Woche nachdem „Bild“ eine Gegendarstellung veröffentlichen musste, weil sie behauptet hatte, Lenks Darstellung eines Männchens in Papst-Montur sei einer Verunglimpfung des aktuellen Papst Benedikt XVI., verwurstete Bild.de eine dpa-Meldung in selber Sache folgendermaßen:

Konstanz: Nackter Papst soll weg

Der schwammige Wortlaut der dpa-Meldung machte es Bild.de leicht, die Hände in Unschuld zu waschen. Angesichts der Vorgeschichte klang die „News-Ticker“-Meldung wie ein Text gewordenes Zurückrudern, wie eine unfreiwillig komische Demutsgeste mit der sich Bild.de ins maximal Unkonkrete flüchten konnte:

Große Aufregung um einen nackten Papst! (…)

Als der Chef der Konstanzer Touristen Information die Aufstellung der Figur ankündigte, gab es Proteste. (…)

Zumal eine Zeitung irrtümlich geschrieben hatte, dass es sich bei dem nackten Papst um Paps tBenedikt [sic!] XVI handele.

(Hervorhebungen von uns)

„Ein“ Papst? „Eine“ Zeitung? Beinahe hätte man den Eindruck bekommen können, es sei nicht die falsche Behauptung der „Bild“-Zeitung selbst gewesen, die die Proteste entfacht habe.

Doch weder diese Korrektur durch die Hintertür, noch die Gegendarstellung und schon gar nicht die erklärenden Ausführungen Lenks über das wahre Wesen des im Konstanzer Bahnhof zu sehenden Papstes konnten den Aufsichtsrat der Touristik Information GmbH in Konstanz dazu bringen, kurz innezuhalten und Ruhe zu bewahren.

Im Sinne der von „Bild“ mit freundlicher Unterstützung baden-württembergischer CDU-Granden entfachten Empörung beschloss eben dieser Aufsichtsrat, die Papst-Figur wieder abbauen zu lassen, wie die „Stuttgarter Zeitung“ berichtet. Ob es aber jemals soweit kommt, ist allerdings fraglich — neuerdings steht zur Debatte, wer die Figur abbauen soll und darf, unter welchen Umständen und vor allem zu welchem Preis.

Also geht die Provinzposse in die nächste Runde und all das nur, weil ein paar lokale CDU-Politiker, einige Frömmler im Internet und ein ängstlicher Tourismusaufsichtsrat den Lügen auf den Leim gegangen sind, die „Bild“ eben so von sich gibt.

Mit Dank auch an Mark F., Tobias G., Fabian K., Bernd R. und Vera H.