Tränen, Blut, Schreie

Wie findet „Bild“ eigentlich Mädchen, die sich piercen oder tätowieren lassen? Geil. In Wort und — vor allem — Bild präsentiert das Blatt gerne die Resultate. „Bild“ zeigt „sexy Girls mit ‚Nippel-Sonnen'“, erklärt ungewöhnliche Piercings für angesagt, gibt Tipps zum Selbermachenlassen („schon etwas schmerzhaft“) und sucht seit Wochen Deutschlands schönstes „Arschgeweih“, jene „heißen Hingucker“, „zauberhaften“, „sexy Bildchen“, „Tattoo-Rücken, die entzücken“. Body-Modification? Yes please!

Äh, außer:

…heute riesengroß auf Seite 1 der „Bild“. Was ist passiert? „Big Brother“-Kandidatin Daniela hat sich im Container vor laufenden Kameras piercen lassen. Resultat, laut „Bild“:

Tränen, Blut, Schreie.

Oder genauer, nicht laut „Bild“: Keine Tränen, kein Blut, ein Schrei. „Bild“ behauptet:

„Big Brother“ bricht letztes Tabu.

— och, da würden uns noch ein paar letztere einfallen. Und wo wir gerade dabei sind: Sado-Maso hat mit Folter nichts zu tun, Folter hat mit Piercings nichts zu tun, Piercings haben mit Sado-Maso nichts zu tun.

Warum lässt sich dieses Mädchen vor der TV-Kamera quälen?

Vielleicht weil sie auch so geil aussehen will wie die gepiercten „Bild“-Mädchen und keine Lust hatte auf ein Ansteck-Plastik-Piercing aus dem Kaugummiautomaten?

…widerliche Bilder von einem Busen-Piercing…

So widerlich, dass „Bild“ seinen Lesern auch extra nicht mehr als drei Großaufnahmen davon zumutet. Na gut: vier.

Sadomaso-Folter im deutschen TV — jetzt wollen Politiker den Irrsinn stoppen!

Mit anderen Worten: Klicken Sie vor dem Verbot schnell noch rechts neben den Artikel, wo „hier geht’s zum BB-Livestream“ steht. Von den 0,98 Euro, die 12 Stunden Big Brother Live kosten (mögliche Sado-Maso-Folter inklusive), kommt ein Teil einem guten Zweck zugute: bild.de.