Herr Copy und Frau Paste, Politikredaktion

Wenn Firmen, Verbände oder Politiker in die Medien wollen, sie aber von keinem Medium gefragt werden, veröffentlichen sie Pressemitteilungen. Darin stehen dann Informationen über das neueste Produkt, ein paar markige Forderungen oder ein paar Thesen, derer sich hoffentlich die Medien annehmen werden — zitierfähige O-Töne werden ja gleich mitgeliefert.

Pressemitteilungen beginnen häufig mit Formulierungen wie dieser:

Anlässlich des Gedenktages des Genozids an den Armeniern erklärt die Sprecherin für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach MdB:

Nur: Das ist nicht der Beginn einer Pressemitteilung, sondern der eines Artikels auf sueddeutsche.de.

Also, genauer: Es ist sowohl der Beginn einer Pressemitteilung der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, als auch der Beginn des Artikels auf sueddeutsche.de zum gleichen Thema. Und es bleibt nicht nur beim Beginn.

Nun hat sueddeutsche.de die Pressemitteilung nicht 1:1 übernommen: Der Text ist an anderen Stellen abgesetzt als im Original, außerdem wurde ein Grammatikfehler korrigiert („Genozid an den Armeniern“ statt „Genozid an der Armeniern“) und ein Wort ersetzt („etwa1,5 Million“ statt „rund 1,5 Million“). Ein bisschen Mühe hat sich der zuständige Journalist also schon gegeben.

Auf unsere Anfrage erklärte die Redaktion von sueddeutsche.de, die Veröffentlichung der Pressemitteilung im Wortlaut sei ein Versehen gewesen, das „sehr ärgerlich“ sei. Man habe schließlich den Irrtum bemerkt und dann „wie ursprünglich geplant“ eine eigene Meldung veröffentlicht: Steinbachs Aussagen stehen nun zu weiten Teilen in indirekter Rede.

Mit Dank an Lars F.

Nachtrag, 17.50 Uhr: Schon nachdem sueddeutsche.de den Artikel gestern überarbeitet hatte, hat die Redaktion einen Hinweis in eigener Sache online gestellt.