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Das Hunde-Killer-Phantom von Bremen-West

Geht es nach der Bremer Regionalausgabe von „Bild“, dann treibt in der Stadt ein (wahlweise „feiger“ oder „irrer“) Hundekiller sein Unwesen:

Er stopft Brötchen und Mettbälle mit Rattengift und Metall-Krampen, versteckt die Todesköder unter Sträuchern. Dutzende Tiere hat er schon vergiftet, 13 starben qualvoll.

Geht es nach der Bremer Polizei, dann gibt es diesen Massenmord nicht.

Aber der Reihe nach: Im Grünzug-West im Bremer Stadtteil Gröpelingen hängen seit etwa zwei Wochen Zettel, auf denen vor einem Hunde-Vergifter gewarnt wird. Das hat offenbar die „Bild“-Reporterin Astrid Sievert auf den Plan gerufen, die sonst auch schon mal kopflose Autofahrer sieht betextet. Sievert will mindestens 13 Fälle aufgetan haben, in denen der „perverse Tier-Hasser“ unschuldige Hunde vergiftet hat.

Aber auch die Bremer Polizei durchsuchte das Parkgelände und sprach mit Hundebesitzern, es fanden sich keine Hinweise, aber – ein für die Ohren von „Bild“-Reportern verhängnisvoller Satz – die Polizei kann „nicht ausschließen“, dass es solche Köder vereinzelt doch gegeben haben könnte. Allerdings habe keiner der Tierärzte im Umkreis von Hunden mit Vergiftungserscheinungen berichten können.

Die Polizei habe nun versucht, die von „Bild“ als Opfer präsentierten Hunde bzw. deren Halter zu ermitteln. West-Highland-Terrier „Sammy“ sei vermutlich tatsächlich vergiftet worden (ganz genau könne man das nicht sagen, „weil die wenigsten Hundebesitzer sechs-, siebenhundert Euro für die Obduktion ihren Lieblings zahlen wollen“, so die Polizei) — allerdings in einem ganz anderen Park als dem von „Bild“ genannten. Auch der Jack-Russell-Terrier „Amy“ sei tot, allerdings schon seit dem letzten Jahr. Die Bordeaux-Dogge „Paul“ sei für die Polizei nicht auffindbar gewesen, genauso wenig wie irgendwelche anderen Opfer. Man gehe daher davon aus, dass der von „Bild“ geschilderte Fall in diesen Details und Ausmaßen nicht existiere.

Astrid Sievert hat übrigens auch mit der Bremer Polizei gesprochen. Laut Polizei erst heute wieder, nachdem ein Polizeisprecher im „Bremer Anzeiger“ (PDF), erklärt hatte: „Von angeblich 13 toten Hunden sind zwölf noch quicklebendig.“ Sievert erklärte, dass sie bei ihrer Darstellung bleibe: Die Polizei habe vielleicht keinen so guten Überblick über die Zahl der toten Hunde, weil es keine Anzeigen gebe, sagte sie der Polizei.

Die Polizei bleibt ihrerseits bei ihren Zweifeln an Sieverts Geschichte.

Mit Dank an R.