Der Vater des Gedankens?

Der australische Tierfilmer Steve Irwin wurde jüngst bei Dreharbeiten von einem Rochen tödlich verletzt. Und Bild.de schreibt:

Es gibt ein Video der tödlichen Attacke. Die Polizei untersucht es gerade. Gut möglich aber, dass die Familie es irgendwann freigibt. Irwins bester Freund John Stainton (44): ‚Steve wäre sehr traurig gewesen, wenn es von seinem Tod keine Aufnahme gäbe.‘

„Gut möglich“, soso… Und soweit „Bild“. Seltsamerweise ist diese (oder eine auch nur annährend ähnliche) Aussage Staintons — außer bei Bild.de — schwer zu finden. Es ist zwar so, dass Irwin selbst vor ein paar Jahren mal scherzte: „Wenn ich sterbe, möchte ich wenigstens, dass das gefilmt wird.“ Doch der Eindruck, den Bild.de jetzt erweckt, trifft die Sache nicht so ganz. „Irwins bester Freund John Stainton (44)“ sagte nämlich bereits der Zeitung „The Australian“ (aus dem auch Bild.de zitiert), die Aufnahmen seien „schrecklich“, „furchtbar“ und, wie die Nachrichtenagentur AP aus einem CNN-Interview zitiert, so grauenvoll, dass das Videoband am besten „zerstört werden“ solle, damit es niemand jemals zu Gesicht bekommen, geschweige denn ausstrahlen könne. („It will never see the light of day. Ever. Ever.“) Stainton weiter:

„Ich habe es angeschaut, aber ich möchte es nicht noch einmal sehen.“

Auch der Chef des US-Senders Discovery, der die Rechte an Irwins Filmen besitzt, geht laut „The Australian“ davon aus, dass Irwins Tod „niemals öffentlich gezeigt werde“.

„Gut möglich“ also? AP jedenfalls zitiert einen Experten für Medienethik zur Frage einer möglichen Ausstrahlung des Videos mit dem Fazit:

„Sollte es irgendwer zeigen, wäre das reine Sensationslust und Nekrophilie.“

Mit Dank an Christoph. W. für den Hinweis.
 
Nachtrag, 7.9.2006: Die eingangs zitierte Passage auf Bild.de würde inzwischen umgeschrieben. Nun heißt es dort:

Es gibt ein Video der tödlichen Attacke. Die Polizei untersucht es gerade. Irwins bester Freund John Stainton (44): „Steve wäre sehr traurig gewesen, wenn es von seinem Tod keine Aufnahme gäbe.“ Allerdings: Stainton deutete vielsagend an, das Video werde sehr bald nach der Freigabe verschwinden.

Peinlich irgendwie, aber besser als vorher.