„Bild“ fand „SS-Beweis“ auch

„Bild“-Autor Paul C. Martin schreibt heute über den Schriftsteller Günter Grass, der kürzlich öffentlich gemacht hatte, dass er als Jugendlicher Mitglied der Waffen-SS gewesen sei. Offenbar belegen auch Dokumente seine Waffen-SS-Zugehörigkeit. Und „Bild“-Autor Martin schreibt:

"Ein vergilbtes Dokument aus dem US-Militärarchiv, das BILD vorliegt. Der SS-Beweis!"

„Bild“ widmet dem „SS-Beweis“ heute auch die Titelschlagzeile (siehe Ausriss) und schreibt:

„Jetzt fand BILD das Dokument, das zweifelsfrei beweist: Grass war bei der Waffen-SS!“

Wie „Bild“ das Dokument fand, steht indes nirgends. Eine vergleichsweise naheliegende Möglichkeit wäre ein Klick auf Spiegel Online gewesen. Dort nämlich ist die ganze Story bereits seit gestern nachmittag, 15.05 Uhr, weltweit und kostenlos zugänglich. Und ebenfalls seit gestern nachmittag wimmelt es daher auch im Angebot der Nachrichtenagenturen von Meldungen über die auf Spiegel Online veröffentlichten Dokumentenfunde des „Spiegel“-Autors Klaus Wiegrefe.

Und natürlich ist der „SS-Beweis“, der, nebenbei bemerkt, laut „Berliner Zeitung“ seit Jahrzehnten „öffentlich zugänglich“ ist, seit seinem Bekanntwerden am gestrigen Nachmittag auch in diversen anderen Medien ein Thema — meist unter Verweis auf den „Spiegel“ oder Spiegel Online. Nur Focus Online berichtet treudoof: „Das meldet die ‚Bild‘-Zeitung (Mittwochausgabe).“

Übrigens:
Bei Bild.de, wo der Dokumentenfund erstmals gestern abend, 22.57 Uhr, in der „Bild“-Version („Jetzt fand BILD…“) auftauchte, heißt es in einem Teaser fälschlicherweise noch immer: „Grass-Affäre: Bei der SS musste er Fingerabdrücke abgeben“, obwohl er das doch gar nicht „bei der SS“ tat, sondern als Kriegsgefangener der Alliierten.

Nachtrag, 17.8.2006: Bei Focus Online wurde der Hinweis auf „Bild“ mittlerweile ersatzlos aus dem Artikel entfernt — offenbar allerdings erst, nachdem BILDblog-Leser Christian G. (Danke übrigens!) die Focus-Online-Redaktion auf ihre Ungeschicklichkeit hingewiesen hatte.