Die Opfer, die „Bild“ bringt (2)

Die „Bild“-Zeitung fasst heute die Kriegshandlungen im Nahen Osten so zusammen:

Die Kämpfe gingen unterdessen mit voller Härte weiter. Die Hisbollah feuerte über 90 Raketen auf Nordisrael ab. Bei Kämpfen im Südlibanon starben drei Soldaten und 30 Hisbollah-Kämpfer.

Zum Vergleich: So berichteten die Nachrichtenagenturen gestern über die Ereignisse (alle Hervorhebungen von uns):

  • dpa, 20.22 Uhr: „Bei Gefechten im Südlibanon seien drei Soldaten getötet und fünf weitere verletzt worden, zudem seien 30 Hisbollah-Kämpfer getötet worden, teilte die israelische Armee mit.“
  • dpa, 19.33 Uhr: „Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben …“
  • AP, 19.32 Uhr: „Bei heftigen Gefechten im Grenzgebiet kamen nach israelischen Militärangaben…“
  • Reuters, 19.03 Uhr: „Am 28. Kriegstag kamen nach Angaben der Armee…“
  • AP, 16.29 Uhr: „Bei heftigen Gefechten im Grenzgebiet kamen nach israelischen Militärangaben…“
  • dpa, 15.45 Uhr: „Die israelische Armee teilte mit, …“

Am vergangenen Sonntag hatte „Bild am Sonntag“ die Mahnung zitiert, dass in einem Krieg „jede der handelnden Parteien ein eigenes Interesse bei der Zurverfügungstellung von Informationen“ habe, und Medien deshalb Distanz wahren und vermitteln müssten. Für die „Bild“-Zeitung scheint das nicht zu gelten. Sie macht ohne Not aus unüberprüften Informationen einer der handelnden Parteien objektive Tatsachen – und schreibt sie ganz ohne Quellenangabe auf…

…und hat auch heute wieder, am dritten Tag in Folge, keinen Platz im Blatt, um über zivile libanesische Opfer zu berichten.