A Streetviewcar Named Desire

Das Video geht seit ein paar Tagen um die Welt. Es zeigt, wie eine Gruppe Aktionskünstler in Berlin ein Auto verfolgt, mit dem die Firma Google die Straßen abfährt, um sie für ihr "Streetview"-Angebot zu filmen. Die jungen Leute zücken die eigenen Kameras, rufen "Fuck Google", zeigen ihre Mittelfinger und lassen, begeistert über die eigene Witzigkeit kichernd, auf offener Straße die Hosen herunter. Angeblich haben die Leute von "Free Art And Technology" (F.A.T.) einen Peilsender an dem Wagen befestigt, um ihn verfolgen und beim Filmen immer wieder stören zu können. So erwischen sie auch den Fahrer, wie er am Steuer ein Bier trinkt. Und zeigen, wie der Beifahrer mal kurz aussteigt, um mitten in der Stadt an einen Baum am Straßenrand zu urinieren.

Richtig: Das ist alles Quatsch. Das Auto ist nicht von Google — im Winter ist der Konzern hierzulande nach eigenen Angaben gar nicht mit seinen "Streetview"-Autos unterwegs, weil Licht– und Wetterverhältnisse zu ungünstig sind. Die ganze Aktion ist ein Fake. Die F.A.T.-Leute wollen damit und mit anderen Projekten nach eigenen Angaben auf die Gefahren hinweisen, die mit der Allgegenwart und Marktmacht des Konzerns verbunden sind, und auf "das Böse", das "Streetview"-Autos und –Mitarbeitern tun.

Nebenbei beweisen sie noch die Leichtgläubigkeit der Menschen und Medien: Große internationale Blogs und Internetseiten wie "Boing Boing", "Gizmodo" und die "Huffington Post" sind auf die Aktion hereingefallen. In Deutschland hielten "Netzpolitik", "Basic Thinking", "Dnews" und der "Kölner Stadtanzeiger" den Streich für echt.

Und wer mag, kann jetzt philosophieren, ob sich die Aktion wirklich gegen das böse Google richtet — oder gegen die in Deutschland teils bizarre Züge annehmende Ablehnung von Google.

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