Mehr recht als „schlecht“

Umfragen sind für Online-Medien eine feine Sache: Sie suggerieren Leserbindung, liefern Klicks und lassen sich mit geringem technischen und intellektuellen Aufwand erstellen. Außerdem kann man sie meistens einfach unbegrenzt online lassen, weil das Ergebnis eh niemanden interessiert — zumindest niemanden in den Redaktionen.

Die Online-Ausgabe der „Berliner Morgenpost“ hat sich zum hunderttägigen Jubiläum der Bundesregierung dazu entschieden, ihre Leser die einzelnen Kabinettsmitglieder „benoten“ bzw. „beurteilen“ zu lassen.

Während Kanzlerin Merkel und alle übrigen Minister die Noten „sehr gut“, „gut“, „es geht so“, „nicht so gut“, „schlecht“ und „sehr schlecht“ bekommen können, hat sich Morgenpost.de bei Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen – die in der Umfrage noch als „Bundesfamilienministerin“ geführt wird – für ein etwas anderes Notenspektrum entschieden:

Ursula von der Leyen (CDU) ist Familienministerin. Wie beurteilen Sie ihre bisherige Arbeit? sehr gut, gut, es geht so, nicht so gut, gut, sehr gut

Überraschend, dass trotz der vielen positiven Optionen das Urteil eher mittelzufrieden ausfällt:

Umfrageergebnis: sehr gut: 3%, gut: 13%, es geht so: 25%, nicht so gut: 34%, gut: 4%, sehr gut: 20%

Weiterhin überraschend, dass man unter der Überschrift „Mehr zum Thema“ auch über Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung befinden kann, der bekanntlich seit dem 27. November 2009 nicht mehr im Amt ist. Aber die Umfrage ist auch vom 24. Oktober — und somit wohl einfach unbegrenzt online gelassen.

Mit Dank an Alfons Sch.

Nachtrag, 3. Februar: Die „Morgenpost“ hat Frau von der Leyen jetzt zur „Arbeitsministerin“ ernannt und die Optionen „schlecht“ und „sehr schlecht“ zugelassen.