„Bild“ und die unoversale Sprache der Musik

„Bild“ veröffentlicht heute auf Seite 2 eine Art Special Edition, womöglich auch nur eine Extended Version der „Post von Wagner“. Franz Josef Wagner schreibt dort nämlich einen „Liebesbrief an Deutschland“ (siehe Ausriss) und ist ganz aus dem Häuschen vor Liebesglück („Ich glaube, man muss sein Land lieben wie eine Frau“ usw.). Allerdings ist „Bild“ und Wagner in ihrem Liebestaumel ein Fehler unterlaufen. Heißt es dort doch:

„Die Uno hat Beethoven zu ihrer Hymne erkoren, Schiller hat den Text geschrieben.“

Das ist (selbst wenn’s offenbar auch Alexander Kluge behauptet) Unsinn. Die UNO hat keine Hymne.

„Obwohl viele Lieder über die Vereinten Nationen oder verwandte Themen geschrieben wurden, gibt es keine offizielle Hymne der Organisation“, heißt es auf der UNO-Website [PDF]. Und es werde auch zu offiziellen Anlässen kein Beethoven als UNO-Hymne gespielt, wie ein UNO-Sprecher auf unsere Nachfrage betont.

Tatsächlich gab es Anfang der 70er Jahre mal den Versuch, eine quasi-offizielle UNO-Hymne zu etablieren. Ihr Text stammt allerdings von einem Briten, die Musik von einem Spanier.

PS: Sollte Wagner in seinem Liebesbrief womöglich gar nicht die UNO, sondern die EU gemeint haben, müssen wir ihn allerdings abermals enttäuschen. Zwar sind die Takte 164 bis 179 des letzten Satzes („Ode an die Freude“) aus Ludwig van Beethovens 9. Symphonie seit 1972 offizielle Hymne des Europarates und seit gut 20 Jahren auch der Europäischen Union. (Seit 2004 gibt es sogar eine offizielle CD mit Techno-, Trance-, Jazz- und Kirchenorgelversionen und eine „Hip-Hop-Interpretation“ für Events und Zeremonien sowie als Hintergrundmusik für Radio- und Fernsehbeiträge mit europäischen Themen.) Doch ist Schillers „Freude schöner Götterfunken“-Text ausdrücklich „nicht offizieller Teil der Hymne!“ Die nämlich wurde von Herbert von Karajan arrangiert — „ohne Worte, in der universalen Sprache der Musik“.

Mit Dank auch an Frank S., Hanno S. und insbesondere Dominik B. für Hinweis und Links.