„Bild“ verleumdet Sozialarbeiterin

Manchmal würde es schon helfen, wenn die „Bild“-Zeitung ihren eigenen Texten traute.

Am vergangenen Mittwoch schrieb sie in einem Artikel über den zwölfjährigen Jungen, der in Berlin seine Lehrerin verprügelt haben soll, den Satz:

Jetzt gibt die Berliner Sozialarbeiterin Fatma Celik (33) dem Prügelkind scheinbar recht!

Und genau so ist es: In einem Interview mit der „taz“ hat sie scheinbar Verständnis für die Tat geäußert, tatsächlich aber nur berichtet, dass das Kind „auf der Straße und von den anderen Jugendlichen als Held gefeiert“ werde: In deren Augen sei das „eine Heldentat. Übrigens auch für manche Erwachsene.“

Korrekt zitiert „Bild“ drei Sätze aus dem Interview — und schon aus denen lässt sich erahnen, dass Frau Celik selbst dem Jungen nicht „recht gibt“:

Wir hatten hier letzte Woche einen Jungen, der ins Krankenhaus musste, weil sein Lehrer ihn angegriffen hat. So etwas erscheint in den Medien nicht. Und vor diesem Hintergrund sagen nun manche: Endlich wehrt sich mal ein Kind.

Die „Bild“-Zeitung sieht in Celiks Stimmungsbericht einen „neuen Skandal“. Das ist ein bisschen erstaunlich. Vollends abwegig wird es aber, wenn sie über ihren Artikel groß die Schlagzeile setzt:

Denn dass die Lehrerin „sehr engagiert“ und „bekannt und beliebt“ sei und „kein Feindbild“ darstelle, hatte Celik in der „taz“ ausdrücklich betont — und die Tat, um es noch einmal zu sagen, mit keinem Wort gerechtfertigt.

Die Lehrerin geht laut „Bild“ nun gegen Celik vor. Und Celik ihrerseits will sich gegen „Bild“ (sowie den „Tagesspiegel“) juristisch wehren. Der „taz“ sagte sie: „Die Zitate sind so zusammengestellt, dass ihr Inhalt völlig falsch dargestellt wird.“

Na sowas.

PS: Ein interessanter Gedanke aus dem „taz“-Interview mit Celik hat die „Bild“-Zeitung offenbar völlig unbeeindruckt gelassen: Der, dass der Zwölfjährige auch deshalb für viele eine Art Held ist, weil er „auf Titelblättern von Zeitungen erscheint“ und „Schlagzeilen macht“. Eine ganz ähnliche Befürchtung hatte, wie berichtet, auch schon der Sohn der Lehrerin geäußert. „Bild“ aber zeigte das Foto des Jungen auch in dieser Woche wieder ohne jede Unkenntlichmachung.

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