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Ohr-ab-Verleger findet Killerapplikation

Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, hat vor einigen Monaten angekündigt, mit kostenpflichtigen Anwendungen für das iPhone neue Einnahmen zu generieren. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sprach er von einer geradezu „heiligen Verantwortung“, die die Verleger hätten, „alles zu versuchen, um eine Wirtschaftsgrundlage für die digitale Welt zu schaffen“. Entscheidend sei bei den Bezahlmodellen, die Frage zu beantworten, „warum der angebotene Journalismus attraktiv, unverwechselbar und unverzichtbar ist“.

Was es kostet

„Wenn man jeden Tag 60 Cent sparen kann, tun die einmaligen 79 nicht weh“, freut sich ein Nutzer in den Kommentaren in Apples „App Store“. Nicht ganz: Für die 79 Cent gibt es nur 30 Tage lang Zugang zu den Inhalten und einer tagesaktuellen „Bild“ im PDF-Format. Danach muss man monatlich seinen Account verlängern — für 1,59 Euro ohne bzw. 3,99 Euro mit PDF. In seiner großen Eigen-Werbung weist „Bild“ auch auf die möglichen Folgekosten hin, im „App Store“ fehlt ein Hinweis darauf.

Als Teil dieser Strategie, zu der auch die Forderung gehört, sogenanntes „geistiges Eigentum“ gesetzlich stärker zu schützen, hat die „Bild“-Zeitung heute eine neue iPhone-Anwendung („App“) veröffentlicht. Zu dem kostenpflichtigen Angebot gehört neben allem möglichen ein Spiel, mit dem man typische „Bild“-Schlagzeilen automatisch generieren kann. Damit bekommen iPhone-Besitzer erstmals die Möglichkeit, für einen solchen Gimmick Geld zu zahlen.

Bislang war das nur kostenlos möglich: Das „Bild“-kritische Weblog „BILDblog.de“ hatte im Juni 2006 eine virtuelle Maschine veröffentlicht, die aus vier zufällig kombinierten Wörtern lebensechte „Bild“-Schlagzeilen produziert wie: „Porno-Hund frisst Nazi“, „Hitler-Penis köpft Busen“, „Ohr-ab-Mullah verklagt Rentner“ und „Grinse-Äquator belügt Erde“. Erklärt wurde das Konzept u.a. mit dem Satz:

Jetzt bist Du an der Reihe, der größten Zeitung Deutschlands die größten Schlagzeilen Deutschlands zu liefern!

Das kostenlose Angebot, das sich auch heute, dreieinhalb Jahre später, gewisser Beliebtheit erfreut, heißt „Schlagzeil-o-mat“.

Die neue kostenpflichtige „Bild“-Applikation hingegen, die vier Wörter zufällig zu Schlagzeilen wie „Luxus-Koch streichelt Marsmensch“, „Drama-Star entschuldigt Einbrecher“ und „Kunst-Koch jagt Mond“ kombiniert, heißt „SchLACHzeil-O-Mat“. Die Zeitung bewirbt sie mit den Sätzen:

Sie wollten schon immer mal Chefredakteur der BILD sein und die Schlagzeilen machen über die Deutschland spricht? Dann haben Sie jetzt die Chance dazu.

 
Übrigens, der echte Überschriftengenerator von „Bild“ hat gestern zu einem vier Jahre alten Foto eines verletzten Polizisten folgende erwartungsfroh klingende Schlagzeile produziert:

Der 1. Tote wird nicht mehr lange auf sich warten lassen.