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„Bild“ beschäftigt Volksverhetzer II

Von dem Thema „Reinkarnation“ ist „Bild“ nicht erst seit dieser Woche fasziniert — und der Volksverhetzer Trutz Hardo ist für die Zeitung schon mehrmals der „Experte“ ihrer Wahl gewesen.

Diese Woche entwickelte er „exklusiv für BILD“ einen Wiedergeburtstest; 2001 bat ihn „Bild“ um einen Rat für die um ihre Tochter trauernde Fernsehmoderatorin Petra Schürmann („Alexandras Seele ist durch den Schock des Unfalls noch erdgebunden und nicht im Jenseits“).

Doch die Partnerschaft zwischen „Bild“ und dem Volksverhetzer währt schon länger. Am 7. Oktober 1999 warb „Bild“ in einem Artikel für die Praktiken von Trutz Hardo:

BILD-Reporterin Verena Schulemann lässt sich in die Vergangenheit gucken
Vor 90 Jahren war ich ein Mann

(…) Der ehemalige Gymnasial-Lehrer, Taxifahrer, Matrose, Kellner und heute Autor und selbsternannter Reinkarnations-Experte führt für 250 Mark jeden in ein früheres Leben zurück.

(…) Trutz führt mich in Gedanken über eine grüne Wiese, hinauf in die Wolken. Dort treffe ich mein „höheres Selbst“. Es öffnet mir ein Tor zu meinem vorigen Leben…

(…) Trutz ist überzeugt: „Wir haben alle schon tausendmal gelebt. Mit meiner Rückführung kann ich es endlich jedem beweisen.“

Wieso werden wir wiedergeboren? „Um vollkommene Liebe und Güte zu lernen. Erst dann werden wir erlöst.“

Seminare bei Trutz Hardo sind unter 787 xx xx zu buchen.

Dieser Artikel erschien, wie gesagt, im Oktober 1999. Da war es gerade erst gut ein Jahr her, dass das Amtsgericht Neuwied Hardo wegen Volksverhetzung und Verunglimpfung des Ansehens Verstorbener zu einer Geldstrafe verurteilt hatte. In der Begründung hieß es: „Er hat den Nationalsozialismus in einer Weise verharmlost, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören.“

Über Hardo und das Urteil hatten zahlreiche deutsche Medien berichtet. Der „Spiegel“ zitierte Hardo am 28. Dezember 1998 mit den Worten, der Holocaust sei das „Bestmögliche“ gewesen, was den Juden habe zustoßen können.

Vor Gericht hatte Hardo laut „taz“ erklärt:

„Eine Frau, die vergewaltigt wird, erhält damit die gerechte Strafe dafür, daß sie einmal — als Mann — vergewaltigt hat. Wenn Kinder ermordet werden, ist das eine Strafe für die Eltern, die womöglich in einem früheren Leben ein Kind verstoßen haben.“

So denkt der Mann, an den sich die „Bild“-Zeitung wendet, wenn sie einen Experten in Sachen Reinkarnation sucht oder sich exklusiv einen „Test“ entwerfen lässt: „Haben Sie auch schon einmal gelebt?“

Der „Stern“ zitierte unter der Überschrift „Esoterischer Schwachsinn“ noch am 30. März 2006, also gerade einmal zwei Monate, bevor sich „Bild“ wieder an den Okkultisten wandte, aus Hardos verbotenem Buch „Jedem das Seine“:

„Die meisten, die vergast wurden, (…) hatten früher andere Menschen getötet oder zugestimmt, dass andere Erdenbewohner, meist Juden und Minderheiten, dem mordenden Mob zum Opfer fielen.“