Verfolgungswahn

„Bild“ berichtete gestern über einen tragischen Verkehrsunfall, bei dem ein 15-Jähriger in einem kurz zuvor gestohlenen Auto ums Leben kam. Die Meldung ist gerade mal acht Sätze lang, Fehler enthält sie trotzdem. Denn obwohl „Bild“ sogar zu wissen glaubt, mit welcher Geschwindigkeit der Unfall passierte („bei Tempo 180“), behauptet das Blatt über den Unfallhergang:

„(…) Der Besitzer des Autos sah ihn noch, rief die Polizei.
Ein Streifenwagen nahm die Verfolgung auf. (…)“

Doch davon, dass es zu einer Verfolgung durch die Polizei gekommen wäre, ist weder in der örtlichen Presse oder der Polizeimeldung die Rede („Mit einem Bekannten nahm der Geschädigte die Verfolgung des Pkw auf“), noch kann uns ein Sprecher der Polizei Herford die „Bild“-Version bestätigen: „Verfolgt hat ihn die Polizei nicht.“ Im Gegenteil habe sich die Polizei bewusst „aus der Gegenrichtung genähert“ und sei zudem „leider erst nach dem Unfall am Unfallort eingetroffen“.

Die „Bild“-Version tue ihm aber auch deshalb „ein bisschen weh“, so der Polizeisprecher, weil sie den falschen Eindruck erwecken könnte, Flucht und Tod des jugendlichen Fahrers stünden in Zusammenhang mit einer vermeintlichen Jagd durch die Polizei, wie man sie vielleicht aus Kinofilmen oder Fernsehkrimis kennt. Oder eben aus „Bild“.

Mit Dank an Andre für Hinweis & Scan.