Wachhunde, Steinbrück, Sonneborn

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Auch kleine Wachhunde können beissen“
(nzz.ch, ras.)
Für die NZZ führen die Medienblogger die klassische Medienkritik weiter, „während sich die gedruckten Titel zusehends auf News, Skandale, Klatsch und Häme spezialisiert haben“. „Jene, die den Niedergang der Medienkritik beklagen oder die geringe Wirkung ihrer kritischen Tätigkeit beklagen, könnten von den Internet-Aktivisten einiges lernen. Sie sollten ebenfalls die grossen Potenziale des Internets nutzen. Wenig ergiebig wäre es, weitere medienkritische Symposien durchzuführen.“

2. „Steinbrück über Medien“
(evangelisch.de)
Ex-Finanzminister Peer Steinbrück beobachtet Politiker, die „mediale Zwänge bis in die Privatsphäre hinein“ befolgen. Die Medien hingegen würden die Stimmung nicht nur beschrieben, sondern sie erzeugen und damit selbst „zunehmend zu politisch Handelnden“ werden. Steinbrück: „Es geht vor allem darum, Einfluss zu nehmen auf die Bundesliga der politischen Köpfe. Wer gewinnt, wer verliert?“

3. Im Test: niiu
(streim.de, Andreas Streim)
Andreas Streim hat sich die individuelle Tageszeitung niiu mal angesehen: „Auf mich wirkt ’niiu‘ nicht wie eine neue Zeitung, sondern eher wie ein Pressespiegel für alle. Ob sich das bei Normalzeitungslesern durchsetzen wird, wage ich zu bezweifeln, vor allem wegen der ersten Schwachstelle, der Artikel, die nirgendwo fortgesetzt werden.“

4. „Bürgerschreck mit Kaufmannslehre“
(faz.net, Sven Astheimer)
Martin Sonneborn war auch mal sowas wie ein Praktikant: „1989 wandte sich Sonneborn an ‚Eulenspiegel‘, das einzige zu DDR-Zeiten geduldete Satire-Magazin, welches nun sein gesamtdeutsches Publikum suchte. Ihm imponierte, dass der Verlag vom Osten in den Westen ging und den Preis verdoppelte, deshalb fragte er um ein Praktikum nach. ‚Die wussten nicht, was das ist, und ich eigentlich auch nicht.‘ Man fand trotzdem zusammen.“

5. „Futur 3.0“
(epd.de, Sylvia Meise)
„Das Ellbogengedrängel am Medienkalender hat die Zeitpunkte unscharf werden lassen. Jubiläen wurden erst ein, dann zwei Monate, jetzt schon mal ein Jahr und mehr vorgefeiert: Erster! Manchen Verlag grämt’s. Darwins Geburtstag im Februar war schon im Dezember des Vorjahres verwurstet. Wer wollte dann noch Bücher dazu haben?“

6. „Was ist ein Bratwurstjournalist?“
(blog.nz-online.de/vipraum)
Hardy Prothmann gibt jenen, deren „muntere Zeilen“ die Umblätterer in lobenswerter Form sammeln, einen Namen. Bratwurstjournalist. „Der typische Bratwurstjournalist schreibt immer dieselben blöden, langweiligen, ausgelutschten Formulierungen, wie man sie täglich in fast jeder Lokalzeitung lesen kann.“