Ziehung der Luxuszahlen

"100 Millionen Luxuspensionen für Politiker"

Was obige Aussage heute zu einer Seite-1-Überschrift in der „Bild“-Zeitung macht, weiß „Bild“ allein. Die Info selbst ist, seit sie die Bundesregierung vor zwei Monaten öffentlich machte, allseits bekannt — u.a. auch der „Bild am Sonntag“. O-Ton damals: „Bund und Länder haben im Jahr 2003 rund 106 Millionen Euro an Pensionen für Abgeordnete, Minister und ihre Hinterbliebenen aufgewendet.“

Das Schöne an dem Satz damals: Obwohl von Dirk Hoeren, war er in diesem Punkt vergleichsweise präzise — was man vom heutigen „Luxuspensionen“-Artikel nicht behaupten kann. Dort heißt es nämlich u.a.:

„Allein 30,5 Millionen Euro pro Jahr verschlingen die Pensionen ehemaliger Bundestagsabgeordneter (im Schnitt 3039 Euro pro Monat).“

Und, ja: Laut Alterssicherungsbericht (vgl. Tabelle A.3, Seite 235) erhielten 543 ehemalige Bundestagsabgeordnete im Jahr 2003 durchschnittlich 3039 Euro pro Monat (vgl. auch Dirk Hoeren/“BamS“ vom 12.3.2006, Seite 11, wonach „an 543 ehemalige Bundestagsabgeordnete im Schnitt 3039 Euro Pension im Monat gezahlt“ werde.) Laut Alterssicherungsbericht und unserem Taschenrechner zufolge ergibt das aber lediglich 19,8 Millionen.

Auf „30,5 Millionen Euro“ kommt man indes nur, wenn man auch die „Entschädigung an Hinterbliebene“ (im Schnitt 1866 Euro pro Monat bzw. 5,9 Millionen Euro insgesamt), die „Leistungen im Krankheits- und Pflegefall“ (insgesamt 3,9 Millionen Euro) und „sonstige Leistungen“ (0,9 Millionen Euro) hinzuzählt, aber genau das verschweigt.

Allerdings lautet ein weiterer Satz im selben Artikel:

„Weitere 26 Millionen kostet die Altersversorgung von Ex-Regierungsmitgliedern (…).“

Anders als bei den ehemaligen Bundestagsabgeordneten bleiben aber bei den Ex-Regierungsmitliedern die „Leistungen an deren Hinterbliebene“ (laut Altersicherungsbericht immerhin weitere 5,4 Millionen Euro) unberücksichtigt. Kurzum: „Bild“ desinformiert ihre Leser hier also offenbar nicht mal vorsätzlich, sondern aus blanker Dummheit, weshalb wir Gerhard G. aus Soltau (Niedersachsen) inständig bitten, seinen Antrag noch einmal gründlich zu überdenken.

Mit Dank an Benjamin P. für die Anregung.