Manchmal steht unter einer Überschrift noch Text

Heute nimmt sich „Bild“ Volker Kauder vor, den Chef der Unionsfraktion im Bundestag. Der will angeblich „den Deutschen tiefer in die Tasche greifen (…) als je ein Politiker zuvor“, weshalb „Bild“ ihn „Schauder-Kauder“ nennt. Der Mann sei für Gesundheits-Soli, Maut und Politiker-Luxus-Pensionen, empört sich „Bild“ und beendet den Artikel lapidar wie folgt:

„Alle Deutschen haben das Recht, vom Stuhl zu fallen“, überschrieb dieser Tage die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen Bericht über den CDU/CSU-Fraktionschef.

Und jetzt die Preisfrage: Wie hat die „FAZ“ das gemeint? Hat sie Kauder auch, wie „Bild“, scharf wegen seiner Ideen für höhere Steuern und Abgaben gerügt? Vermutet sie auch, wie „Bild“, dass Kauder die Wähler für „gaga“ halten könnte? Bemäkelt sie auch, wie „Bild“, dass Kauder vor der Wahl gegen Steuererhöhungen kämpfte, hinterher aber dafür war?

Keineswegs. In dem „FAZ“-Artikel ging es um ganz etwas anderes, als „Bild“ suggeriert. Die „FAZ“ berichtete ausführlich von einer Diskussionsveranstaltung zum Thema „Leitkultur“ im Bonner Haus der Geschichte. Kauder habe dabei so heftig diskutiert, dass er vom Stuhl zu fallen drohte, weshalb ihm der Moderator empfohlen habe, „er solle sich doch einfach zurücklehnen“, woraufhin Kauder empört erwidert habe, „er lasse sich von Journalisten nicht sagen, wie er zu sitzen habe“.

Um Geld ging es nicht.