Schweinegrippe: Arbeiten an der Hysterie

Die Schweinegrippe verkauft sich gut. In den vergangenen 27 Tagen haben „Bild“ und „Bild am Sonntag“ zwölfmal mit der Krankheit auf der Titelseite aufgemacht:

Um seriöse Information ging es dabei in den wenigsten Fällen. Wie „Bild“ Panik schürt, um Auflage zu machen, lässt sich auch am heutigen Aufmacher zeigen:

Richtig ist, dass in Kassel am vergangenen Donnerstag ein 15-jähriges Mädchen gestorben ist, das mit dem H1N1-Virus infiziert war. Anders als „Bild“ suggeriert, ist aber noch nicht ausgemacht, ob das „Killer-Virus“ die Todesursache ist. Der Hessische Rundfunk berichtete gestern:

Das Mädchen sei an den Folgen einer Herzmuskelentzündung gestorben, teilte der behandelnde Oberarzt Thomas Fischer vom Klinikum in Kassel am Samstag mit. Diese Entzündung könne auch durch Grippeviren verursacht werden. Ob in dem Fall der verstorbenen Schülerin das H1N1-Virus für die Erkrankung verantwortlich sei, könne man noch nicht sagen.

Ein Sprecher der Stadt Kassel sagte, es gebe derzeit „keinen Hinweis darauf, dass die Schülerin an der Schweinegrippe gestorben ist“.

Auch aktuell ist die genaue Todesursache laut übereinstimmenden Agenturberichten noch ungeklärt. Möglicherweise habe die Herzerkrankung unabhängig von der Infektion zum Tod geführt, heißt es.

„Bild“ aber will es besser, oder genauer: gar nicht wissen und spricht vom „Grippetod“.

PS: In Kassel ist nach dem Tod des Mädchens laut Gesundheitsamt eine „sehr, sehr große Hysterie“ ausgebrochen.

(Mitarbeit: Ronnie Grob)