„Bild“ benutzt Kinder für Recherchen II

Was bisher geschah: „Bild“ hatte am Mittwoch ein Foto des im ägyptischen Dahab getöteten Jungen auf der Titelseite und im Innenteil. Am Donnerstag druckte „Bild“ dasselbe Foto noch einmal im Innenteil ab. „Bild“ bekam dieses Foto von dem Journalisten Alexander Blum, der nach Zeugenaussagen in Tübingen Kinder behelligt haben soll, die gerade alleine zuhause waren, um ein ebensolches Foto zu bekommen. Er soll sich dabei zunächst auch als Mitarbeiter des „Schwäbischen Tagblatts“ ausgegeben haben.

Gestern veröffentlichte das „Tagblatt“ weitere Details:

Ein Tübinger „Bild“-Zuarbeiter verschaffte sich über eine Teilnehmer-Liste vom Stadtlauf aus dem Internet die Namen möglicher Schulfreunde und überrumpelte Eltern und Kinder zu Hause. Einmal tischte er die Lüge auf, er sei von einer Lehrerin geschickt, ein andermal gab er sich ahnungslosen Kindern gegenüber als TAGBLATT-Mitarbeiter aus und gab vor, er müsse ein Bild des Mitschülers beschaffen, das versehentlich aus unserem Zeitungs-Archiv gelöscht worden sei.

Auch uns gegenüber berichtete ein Nachbar, der Fotograf habe versucht, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an ein Foto zu kommen.

Bereits am Mittwoch und am Donnerstag hatten wir den „Bild“-Pressesprecher Tobias Fröhlich wiederholt um eine Stellungnahme gebeten. Wir wollten wissen:

— Gehört es zu den Gepflogenheiten der Axel Springer AG (und damit auch zu den Gepflogenheiten von „Bild“ und Bild.de), dass Mitarbeiter wie im o.g. Fall Kinder gezielt zur Informationsbeschaffung ausnutzen?

— Wird die Axel Springer AG weiterhin mit Alexander Blum zusammenarbeiten?

— Wird „Bild“ weiterhin mit Alexander Blum zusammenarbeiten?

— Woher stammt das Foto des 10-jährigen Jungen?

— Wer hat „Bild“ die Einwilligung gegeben, das Foto des 10-jährigen Jungen in „Bild“ abzudrucken?

Auf diese Fragen erhielten wir keine Antwort. Fröhlich sagte am Ende nur, er werde sich eventuell melden — falls es aus der Sicht von „Bild“ etwas dazu zu sagen gebe.

Heute berichtet auch die „tageszeitung“ über den Fall. Und sie hat sogar eine knappe Stellungnahme des „Bild“-Sprechers bekommen:

Also spricht Springer-Sprecher Tobias Fröhlich: Der Fotograf habe „glaubhaft versichert, er habe sich nicht als Mitarbeiter des Schwäbischen Tagblatts ausgegeben. Wir gehen davon aus, dass seine Recherchen auch insgesamt korrekt verlaufen sind.“

Welche Gründe Springer dafür hat, den Aussagen des Fotografen zu glauben und nicht denen mehrerer Zeugen, wissen wir nicht. Und auch die Antworten auf die von uns gestellten Fragen stehen immer noch aus. Vielleicht hat die Sorge, ob ihre Mitarbeiter wirklich nur lautere Recherche-Methoden anwenden, bei der „Bild“-Zeitung keine so große Priorität.

Mehr dazu auch hier.